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Im deutschen Reich · 1900-08-01 · Heft 8 (August 1900) · p. 400

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 8 (August 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-08-01
Page
400 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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400 Im deutschen Reich. Jahre in Folge der Unkosten der militärischen Besatzung eine weitere Erhöhung der Steuern bevorsteht, denn die ganzen Unkosten werden auf keinen Fall vom Staat übernommen werden. Etwa 3000 Mark Kosten hat die Stadt Könitz allein an das Berliner Polizei-Präsidium zu zahlen für die Entsendung von ' Berliner Kriminalbeamten zur Untersuchung der Winter'schen Mordangelegenheit. Außer den Excedenten, die schon früher zu Geld- und Haftstrafen verurtheilt wurden, hatten sich am 20. Juli vor der Strafkammer wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs vier junge Burschen zu verantworten. Als ihnen verkündet wurde, daß sie mit Gefängniß von 3 Monaten bis zu einem Jahre verurtheilt seien — drei der Angeklagten saßen schon seit dem 11. Juni in Untersuchungshaft — weinten einige von ihnen bitterlich. Die Anstifter der Krawalle und Verführer der unglücklichen jungen Leute saßen nicht auf der Anklagebank; man hätte sie vielleicht im Zuhörerraum finden können. Noch schwerere Strafen als die jugendlichen Verführten haben aber vielleicht diejenigen zu gewärtigen, welche unter dem Einfluß antisemitischer Agitatoren als Zeugen fahrlässige Falscheide oder Meineide geleistet haben. Von diesen Verführten gilt dasselbe, was die „Berliner Ztg." von denen schrieb, welche in Stolp „den Hetzaposteln die Kastanien aus dem Feuer geholt" und nun Muße haben, im Gefängniß oder im Zuchthause für „einige wonnige Stunden fesiellosen Genusies der in den Tiefen der Menschenseele verborgen liegenden Bestialität" schwer zu büßen. Die „Berliner Ztg." schrieb: „Die Geschäftsreisenden der antisemitischen Unternehmungen in der Gegend vonKonitz fragen den blauen Teufel nach Wahrheit und Wissenschaft; sie wollen Geschäfte machen, und wenn der dumme Pöbel, der sich keineswegs nur aus Aermeren und Ungebildeten, zusammensetzt, ordentlich auf den Leim geht und Hephep ruft und Steine wirft und eine „tiefgehende Volkserregung gegen die Juden" markiert, dann denken die in sicherem Versteck sitzenden Rädelsführer mit dem Mephisto: „Hab ich doch meine Freude dran" und schlagen demnächst ihre Marktbude anderswo auf, wo ein neues Geschäft zu machen ist. Dr. Edmund Friedemann weist in einer Besprechung der Stolper Krawalle auf einen interessanten Widerspruch hin. Kürzlich wurde ein Sozialdemokrat zu empfindlicher Gefängnißstrafe verurtheilt, weil er von dem dröhnenden Schritte der Arbeiterbataillone sprach, die sich ihr Recht nehmen würden, obwohl er ausdrücklich aufforderte, daß man nur auf gesetzlichem Wege vorgehen solle. Gerade aus dieser ausdrücklichen Aufforderung entnahm man bei der Urtheilsfällung, daß der Sozialdemokrat sich nur gegen die

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