Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 399 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 3SA Bei den Vernehmungen, welche neuerdings in der Sache conti-» „Staatsbürger-Ztg." stattgefunden haben, um über die vorgekommenen Zeugenbeeinflussungen Klarheit zu gewinnen, dürften interessante Dinge über das Treiben der antisemitischen Agitatoren zu Tage gefördert worden sein. Die Einstellung des Verfahrens gegen den Schlächtermeister Gustav Hoffmann, der aus dem thatsächlichen Grunde „des mangelnden Beweises" außer Verfolgung gesetzt wurde, hat die Agitatoren offenbar nicht veranlaßt, ihre Arbeit ebenfalls einzustellen. Der Redakteur des antisemitisch gewordenen „Konitzer Tageblattes", ' Lehmann, hat sich mit der Tochter Hoffmann's verlobt, der sich durch die Einstellung der Untersuchung nicht abhalten ließ, auf's Neue die Juden zu verdächtigen. Als ihm seine Kollegen in der Stadtverordneten-Versammlung eine Ehrenerklärung zu Theil werden ließen, verstieg er sich zu der widersinnigen Aeußerung: „Die Juden wollten mich mit allen Mitteln verderben, damit die jüdischen Mörder des Winter straflos bleiben." Daß diese Aeußerung ohne Widerspruch blieb, kennzeichnet die Stimmung der Versammlung. In maßgebenden Kreisen ist deshalb an eine Abberufung des Militärs nicht zu denken; das Militär bereitet sich im Gegentheil immer mehr für einen längeren Aufenthalt vor. Vielleicht wäre auch die Abberufung für gewisse Elemente nur das Signal zu neuen Ausschreitungen; wurden doch dein kaum zu seinem Amte zurückkehrenden ersten Bürgermeister einige Fensterscheiben eingeworfen. Der Konitzer Oberlehrer Dr. Hosrichter, der seine antisemitischen Neigungen mehrfach kundgegeben haben soll und sich dabei auch in einen Prozeß wegen Beleidigung des Bürgermeisters verwickelt har, ist an daS königliche Gymnasium in Neustadt versetzt worden. Der Redaktion der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" wurde u. a. aus Könitz berichtet, daß der dort seit dem 15. März wohnhafte ehemalige Redakteur des Landsberger Antisemitenblattes, Paul Werner, für seine Leistungen im Dienste des Herrn Bruhn von letzterem, als er etwas barsch Geld verlangte, mit Prügeln reguliert wurde, seine agitatorische Thätigkeit nach kurzer Unterbrechung aber wieder fortsetzte, nachdem ihm „Konitzer Genossen" das Ergebniß einer Sammlung eingehändigt hatten. Aber nicht , nur den Konitzer Antisemiten, sondern der gesammten Bürgerschaft dieser Stadt kommt die Judenhetze theuer zu stehen. Schon jetzt werden dort zur Deckung der städtischen Bedürfnisse an direkten Steuern 250 Proz. der Staatseinkommensteuer bezw. der veranlagten Verwaltungssteuersätze, sowie 200 Proz. der Realsteuern und endlich ein Gemeindesteuerzuschlag von der Betriebssteuer in Höhe von 100 Proz. erhoben. Dazu kommt, daß für die nächsten