Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 401 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 401 strafrechtlichen Folgen seiner Handlungsweise schützen wollte.' Wenn die antisemitischen Hetzer fort und fort das Menschenmögliche thun, um die Pöbelhaufen zu Ausschreitungen zu veranlassen, und wenn als die Frucht ihrer Saat Zustände reifen, wie sie die Konitzer Einwohnerschaft jetzt zu beklagen hat, wenn in. Folge ihrer Aufputschereien thörichte junge Leute Freiheit und Ehre verlieren, — dann haben fic natürlich auch nicht unterlassen, scheinheilig vor Gewalt und Ungesetzlichkeit zu warnen, während doch das Verlangen nach möglichst wilden Aufrührscenen aus allen Fugen und Nahten guckte." Es ist leicht zu begreifen, warum das sozialdemokratische Blatt „Vorwärts" bedauerte, daß die Stolper Geschworenen nicht von den an den Skandalen betheiligten jungen Burschen annahmen, daß sie sicb. der Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt waren. „Konnten die Richter seiner Zeit bei dem Dreschgrafen dieses Facit ziehen, dann gehörte es mit Recht jenen politisch Unklaren, die -die Kraftphrase des großen antisemitischen Apostels in die That umsetzten. Gingen doch die Bütower Angeklagten in ihrer Naivität so weit, daß sie die im öffentlichen Anschlag enthaltene Mittheilung aus Könitz: „Bis Nachts 12 Uhr Revolte gegen die Juden!" — als eine Aufforderung der Regierung ansahen, in Bütow bis 12 Uhr Revolte zu machen." Der. „Vorwärts" übersieht dabei, daß die bei dem „Bütower Krawallprozeß" zu Tage getretene fast unglaubliche Beschränktheit gewiffer Theile der dortigen Bevölkerung das Gericht thatsächlich veranlaßt hat, die meisten Angeklagten freizusprechen. Uebrigens haben die Vorgänge in Stolp und Bütow zur Folge gehabt, daß während der Manöverzeit zahlreiche Gensdarmen aus den übrigen Bezirken der Monarchie nach Köslin beordert und zur Verfügung des Regierungs-Präsidenten gestellt worden sind, um sofort nach etwa unruhigen Städten entsandt werden zu können. So dankenswerth diese Maßregeln sind, dürften sie dennoch nicht genügen, in Pommern und Westpreußen weitere Ausbrüche des von den Antisemiten systematisch großgezogenen Boxerthums zu verhindern, wenn nicht Mittel und Wege gefunden werden, dort die Fortsetzung der Wühlerei der Hetzapostel unmöglich zu machen, welche die früher stets friedlich gesinnt gewesene Bevölkerung immer auf's neue erbittern, indem sie die behördlichen Organe sofort als „Judenschützer" darstellen, sobald sie durch Verhinderung von Mißhandlungen Wehrloser und von Verwüstungen rohester Art ihre Pflicht erfüllen, für Gesetz und Ordnung einzustehen.