Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 395 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 395 deutschen Presse über die Greuelthat Ln Peking gilt z. B. der antisemitischen „Neuen Bayer. Landesztg." nur als ein Werk — der Juden. Sie schreibt: „Weil einige jüdische Händler von den Chinesen ausgehauen und geschachtet worden sind, erheben einige Judenblätter ein furchtbares Geseires und Gekreische." Daß der hingemordete deutsche Gesandte Freiherr von Ketteler und die übrigen Mitglieder der deutschen Gesandtschaft in Peking als „jüdische Händler" hingestellt werden, zeigt, wie weit die antisemitische Phantasie des Herrn Thomas Memminger geht. Seine deutsch-nationale Gesinnung ist von demselben Kaliber, wie diejenige des Münchener Antisemiten Ludwig Wenng, der in seinem Blatte zu schreiben lich unterfing: „Ueber Deutschland lagern gegenwärtig dunkle Wolken. Gut und Blut unseres Volkes werden in fernen Welttheilen vergeudet, und dabei stützen die Bajonette der Garden Rothschilds die immer frecher, immer brutaler auftretenden Judenherrschasten. Ein wahrer Freund seines Vaterlandes kann wahrlich nur mit Trauer und Entrüstung erfüllt sein. Der innere Zusammenhang, der zwischen unserer Chinesenpolitik und derVerjudung Deutschlands besteht, tritt an allen Ecken und Enden zu Tage. (!!) Eine wirklich nationale Politik kann ja auch nicht betrieben werden, wenn man sich auf den Juden als Berather und Geldleiher stützt." Der Judenhaß läßt die Herren Memminger und Wenng keinen Schmerz über die an Christen verübten Frevelthaten der Chinesen empfinden, weil diese ähnliche Wgffen wie ihre antisemitischen Bundesgenosien benutzen! Aufreizendere Reden als diese in ihren Versammlungen gebrauchen, ohne daß sie aufgelöst werden, dürsten kaum jene Mandarinen gehalten haben, welche die Volkswuth gegen die fremden Ansiedler in China und gegen die getauften Chinesen entfesielten! Als kürzlich in dem dichtgefüllten Saale der Berliner Tonhalle Graf Pückler eine Rede hielt, in welcher er gegen „jüdische Hallunken, Spitzbuben, Lumpen, orientalische Würger" Zeterte, von „Durchhauen und Rauöschmeißen" sprach und schließlich erklärte, daß gegen das internationale Judenthum einzig und allein eine möglichst große Zahl derber, mit Eisenknütteln bewehrter Antisemitenfäuste helfen könne, erregten diese „Boxer-Aufreizungen" wahre Beifallsorkane. Der Herausgeber der „Staatsbürger-Ztg.", Wilhelm Bruhn, fesselte die Zuhörer sodann durch allerhand blutrünstige Märchen und Phantasiegebilde, und als dritter . Redner empfahl schließlich O. B ö ck l e r. direkte -persönliche Nothwehr, die sich nicht nur gegen harmlose Fensterscheiben richten dürfe. Um diesem im schroffsten 29*