Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 8 (August 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-08-01
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. nachsichtlich auch denen fühlbar zu machen, welche zu denselben offen oder verblümt aufreizen — dann ist das Blut der Märtyrer in Peking nicht umsonst gefloffen. Auch dort dursten Jahre hindurch „R i L u a l rn o r d - M ä rch e n" ungestraft verbreitet werden; dort haben buddhistische Volksaufwiegler mit denselben Lügen der „Brunnenvergiftungen" und „Blutbeschuldigungen" gegen Christen gehetzt, mit welchen wieder und wieder europäische Hetzer die Juden zu vernichten oder zu vertreiben suchen. In seinem Buche „Unter dem Banner des Drachen und im Zeichen des Kreuzes" (Berlin, Buchhandlung der Berliner evangelischen Missionsgesellschaft) schreibt der Missionar V o s k a m p , daß auch die Gebildeten in China fest von der Wahrheit der Verleumdungen überzeugt sind, daß die Missionare Menschenraub treiben, menschliche Körper verstümmeln, Todte ausgraben, um aus deren Gebeinen wirksame Medizin als Zaubermittel zu bereiten und allerhand Frevel ausüben, die angeblich mit der Feier des Abendmahles verknüpft sein sollen. Pastor F a b e r berichtet in einem Artikel über China: „Die christlichen Missionare trinken das Blut der Chinesenkinder, nachdem sie sie grausam abgeschlachtet haben. Dieser Glaube ist bei den Chinesen verbreitet. Vox etwa fünfzehn Jahren erschien eine neue Riesenauflage des von den chinesischen Geheimbündlern verbreiteten Buches „Todtschlag der Teufelslehre" auf Veranlassung des Mandarinen Chaw-Han. An allen Straßenecken der Riesenstadt Kanton sah man damals Plakate mit Auszügen aus diesem Buche, in welchen den Christen die tollsten Dinge nachgesagt wurden. Einzelne Körpertheile von todten Kindern wurden in den letzten Jahren häufig auf christliche Kirchhöfe geworfen. Die Leute „vom langen Messer" brachten dann diese triumphierend herbei als Beweisstücke dafür, daß die Christen Kinder schlachteten." Auch in China befolgen die kulturfeindlichen „Boxer" die Taktik der Antisemiten, Anentschlofsene dadurch mit sich zu reißen, daß sie ihre Mord- und Raubzüge als von der Regierung gebilligte oder gar anbefohlene Handlungen darstellen. Warum sollte ein einfacher Chinese einer solchen „Boxer-Behauptung" mißtrauen, wenn es nicht nur ungebildete russische Bauern, sondern nach den vor den Geschworenen bestätigten Aussagen des Stadtwachtmeisters in B ü t o w, sogar in dieser Hommerschen Stadt Leute gegeben hat, die ernstlich an „eine Plünderung der Juden auf Regierungsbefehl" geglaubt haben? Manche deutschen Antisemiten machen auch gar kein Hehl daraus, daß ihnen die chinesischen Boxer, welche aus gesteigertem Nationalgefühl zum glühendsten Fremdenhaß und von diesem zur Mord- und Raubsucht gelangt sind, Sympathie einflößen. Die tiefe Entrüstung der