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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 372

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Max Freudenthal [Rezension]
Date
1900-06-01
Page
372 (sequence 3)
Language
German
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372 Im deutschen Reich Leopold. Dieser wies das Verlangen Gothas, zur Beugung des Rechts einem Juden gegenüber die Hand zu bieten, von vornherein entschieden ab, er gab W. die Geldmittel zur Fortführung seines Prozesses (auch des Fürsten Schwester unterstützte ihn mit ihrem Vermögen) und wandte seinen ganzen Einfluß bei dem König von Preußen an, um die Jntriguen des Gothaer Hofes zu durchkreuzen. Der König von Preußen setzte eine Kommission aus seinen Rüthen als Schiedsgericht ein; aber als hier W.'s Ansprüche anerkannt und Gotha zur Zahlung verurtheilt wurde, wandten sich die Gothaer an den Reichshofrath in Wien. Es ist nicht möglich, hier alle die Wandlungen dieses Prozesies zu schildern; es ist ja bekannt, wie langsam gewöhnlich die Rechtsprechung bei dem höchsten Gericht des heiligen römischen Reiches war, und in diesem Falle, wo es sich um das eines Juden gegen einen Reichsfürsten handelte, fand man immer wieder neue Vorwände, die Entscheidung hinauszuschieben. Was Fürst Leopold offen als die Absicht der Gegner bezeichnete, den Prozeß so lange hinzuziehen, daß der schon betagte Wulff darüber Hinsterbe, geschah auch wirklich. Am 29. August 1729 starb der tapfere Kämpfer, ohne das Ende des 27 jährigen Kampfes zu erleben. „Acht Tage 'später, am 6. September, wurde jener zweite Moses Desiaü geboren, desien Name und desien Ruf nach Recht und Gerechtigkeit auch an Fürstenhöfen mächtiger und bedeutungsvoller widerhallen sollte als der seines unverwandten Namensträgers, des Hoffaktors Moses Benjamin Wulff." — Dem dritten Abschnitt, der mit seinem reichen Akrenmaterial die Theilnahme des Lesers immer von neuem fesselt, folgen im vierten Mitheilungen über W.'s sonstiges Leben, sein Haus und seine Verwandten. Wir hören von der ausgedehnten allgemeinen Bildung des Hoffaktors, die, wie schon oben erwähnt, ihn befähigte, in deutscher Sprache und Schrift mit Behörden und Fürsten einen umfassenden Briefwechsel zu pflegen, wozu nur sehr wenige unter seinen Glaubensgenosien damals im Stande waren; aber Wulff, der vielgewandte, welterfahrene, hatte erkannt und bewies durch sein Beispiel, daß die Aneignung profaner Kenntnisse mit echter Frömmigkeit wohl vereinbar ist. Seinen Besitz verwandte W. nach der guten Ueberlieferung jüdischer Mäcenaten zur Unterhaltung eines eigenen Lehrhauses, in dem jüdischen Gelehrten Unterkunft und die Mittel geboten wurden, ihren Studien obzuliegen, und zur Errichtung einer eigenen Druckerei, deren Geschichte im 5. Abschnitt des Buches ausführlich behandelt ist. Den großen Einfluß, den er bei dem Fürsten Leopold besaß, benützte W., um bedrängten und heimathlosen Juden die Ansiedlung in Dessau zu ermöglichen; so hilfsbereit er

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