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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 371

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Max Freudenthal [Rezension]
Date
1900-06-01
Page
371 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 371 würdigte die unschätzbare Kraft W.'s für die Erledigung aller geschäftlichen Angelegenheiten. Er verbesserte das Münzwesen des Landes, schuf die erste Einrichtung einer eigenen Post für das Fürstenthum Anhalt, übernahm Verhandlungen mit anderen Höfen, Vertretung in Prozessen u. s. w. Die zahlreichen Briefe und Berichte von seinen Reisen zeugen sowohl von der Gewandtheit, momit W. unter den Andersgläubigen, auch unter den Hohen dieser Erde, sich^bewegte, wie von der allgemeinen und vielseitigen Bildung, die er bei aller Frömmigkeit und Treue gegen die väterliche Religion nicht verschmäht hatte sich anzueignen, und von dem Verhältniß inniger Vertrautheit, das sich zwischen dem 1698 zur Negierung gekommenen Fürsten Leopold, dem „alten Dessauer", und Wulff gebildet hatte.' Nicht wie ein Diener, sondern wie ein vertrauter Berather berichtete er dem Fürsten von seinen geschäftlichen, aber auch von privaten und Familienangelegenheiten. Diese nahezu zur Freundschaft gewordene Wertschätzung hat der Fürst seinem treuen Diener bewiesen in dem langwierigen, mit zäher Hartnäckigkeit von beiden Seiten geführten Prozeß zwischen Wulff und dem Herzog von Gotha. Der Herzog Friedrich I. von Gotha hatte W. ebenfalls zu seinem Hoffaktor ernannt. Sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. hatte von ihm große Summen geborgt, zuletzt 200,000 Thaler, die Mitgift seiner Schwester für den Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz. W. hatte diese Summen nur mit der äußersten Anspannung seines Kredits ausbringen können, und in schmeichelndsten Worten war er der Dankbarkeit des gothaischen Hofes versichert worden. Minister Götter nannte ihn seinen trös bonorä und trös ober ami, und die Prinzessin-Braut und der Herzog kehrten auf ihrer Reise durch Deffau in W.'s Haus ein. Als aber W., um seine Gläubiger befriedigen zu können, die Rückzahlung der Gelder verlangte, wurde er erst mit leeren Versprechungen, dann mit ganz ungenügenden Theilzahlungen von einem Termin zum andern hingezogen; zuletzt suchte der Herzog seine Verpflichtungen überhaupt zu leugnen und durch Gegenrechnungen und andere Kniffe sich seinen Verbindlichkeiten zu entziehen. W. von seinen Gläubigern zur Zahlung gedrängt, sah seine kaufmännische Ehre und seine ganze Existenz gefährdet, wenn seine Ansprüche nicht befriedigt wurden; und so mußte er, der rechtlose Jude, den Kampf mit dem Herzog aufnehmen, einen Kampf, der, so gerecht er war und so tapfer und hartnäckig er geführt wurde, schließlich die Kräfte seines Lebens aufgerieben hat. Einen treuen Helfer, der mit Rath und That ihm zur Seite stand und immer wieder von neuem alles einsetzte, um seinem bewährten Diener zu seinem Rechte zu verhelfen, fand er in Fürst

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