Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Max Freudenthal [Rezension]
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 370 (sequence 1)
- Language
- German
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370 Mcherfchau. Max Freudenthal: Aus der Heimath Mendelssohns. Moses Benjamin Wulff und seine Familie, die Nachkommen des Moses Jsserles. Berlin 1900. Verlag v. F. E. Lederer (Franz Seeliger). Das vorliegende Buch ist veranlaßt durch die Bemühungen des Verfassers, über die Familie und die Gemeinde, in der Moses Mendelssohn ausgewachsen ist. Näheres zu erfahren. Wenn es dem Verfasser auch nicht gelungen ist, die Vermuthung, daß Mendelssohn's Familie, wie er selbst in einem seiner Briefe erwähnt, auf den großen Glossator MoseS JfferleS zurückzuführen ist, bündig zu erweisen, hat ihm doch die Erforschung der Quellen eine Fülle lockenden und lohnenden Stoffes gebracht, der für die Geschichte der Dessauer Gemeinde und der Familie des Hoffaktors M. B. Wulff, aber darüber hinausgehend auch für die Kenntniß des Rechtsverfahrens im Deutschen Reiche vor 200 Jahren von der größten Bedeutung ist. Der erste Abschnitt des Buches führt uns in die neubegründete Berliner Gemeinde. Der ausführlich erzählte Streit Wulff's mit dem einflußreichen, herrschsüchtigen JostLiebmann zeigt uns an mehreren Beispielen, wie unsicher und rechtlos damals die Lage eines jeden Juden in Berlin war. Wiederholt wurde Wulff auf die bloße Beschuldigung Liebmann's gefangen gesetzt und mußte auf grundlosen Verdacht viele Monate in Untersuchungshaft bleiben (S. 30, 31.). Da es für den Juden kein geordnetes Rechtsverfahren gab, gelang es dem Haffe Liebmann's schließlich, die Ausweisung Wulff'S aus Berlin durchzusetzen, nachdem er sich verpflichtet hatte, für die Schulden des Ausgewiesenen aufzukommen; am 15. November 1686 bekam W. den Befehl, binnen 24 Stunden Berlin zu verlaffen. Mit seinen Eltern, seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern mußte er dem unversöhnlichen Gegner weichen und sich eine neue Heimath suchen. Diese fand er in Dessau, wo Fürst Johann Georg zu derselben Zeit wie der Große Kurfürst den Juden sein Land geöffnet hatte. Die Schicksale Wulffs in der.neuen Heimath bilden den Hauptinhalt des oben genannten Buches. In kurzer Zeit wurde W. Hoffaktor des Fürsten; seine Redlichkeit und Rührigkeit hoben allmählich seine Stellung und schafften ihm einen weit ausgedehnten Wirkungskreis. Auch die Gattin Johann Georges, die nach dessen Tode die Regierung für ihren unmündigen Sohn Leopold führte, bewahrte ihm ihre Huld und