Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Berlin
Date
1900-06-01
Page
343 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316670-2326082--06883-2326194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Korrespondenzen. 343 könnten, den Behörden mitzutheilen. Speziell kann an die Bevölkerung von Könitz nur die dringende und warnende Bitte ergehen, zur Besonnenheit zurückzukehren und nicht unter dem Einfluß jener vorgefaßten Meinung sich auf's neue zu Handlungen hinreißen zu lassen, die wie die gestrigen Vorgänge die. öffentliche Ordnung gefährden und nothwendig nicht nur für die' Thäter selbst, sondern für die gesammte Einwohnerschaft von Könitz von den schwersten Folgen begleitet sein muffen." Die ministerielle „Berliner Korrespondenz" schreibt: „Von zuständiger amtlicher Seite ist ermittelt worden, daß die beiden Knaben, deren Verschwinden aus Könitz zu sensationellen Alarmnachrichten Anlaß gegeben hat, mehrfach in ländlichen Orten der Kreise Könitz, Tuchel und Flatow gesehen worden sind. Der ältere Knabe hat sich auch schon früher einmal einige Dage bummelnd Herumgetrieben. Die Mutter der Knaben ist selbst der Meinung, daß nur Lust am Herumtreiben und Scheu vor der Schule die Ursache des Verschwindens der Knaben ist." Die „Volks-Ztg." berichtete am 18. Juni: Eine neueSchandt h a t gegen einen jüdischen Einwohner wird uns aus Kamin i. W e st p r., einem Städtchen in der Nähe von Könitz, gemeldet: „Der 64jährige ' jüdische Handelsmann Landecker begab sich am vergangenen Mittwoch auf's Land, um, wie in früheren Jahren um dieselbe Zeit, bei den bäuerlichen Besitzern Wollkäufe abzuschließen. Er schlug die nördliche Richtung nach Obkaß und Gersdorf ein. Gegen Abend wurde er an der Landstraße in der Nähe des zwischen beiden Dörfern gelegenen Guts Melanenhof in höchst traurigem Zustande hilflos aufgefundeu und nach Kamin gebracht. Der zu Hilfe geholte Arzt Dr. Eschner stellte auf der rechten Schädelseite eine größere Verletzung, anscheinend von einem stumpfen Instrumente herrührend, außerdem einen dreifachen Bruch des linken Armes fest und veranlaßte die Ueberführung des schwerverletzten, fast dauernd besinnungslosen Greises in das katholische Klosterkrankenhaus in Könitz. ES steht außer jedem Zweifel, daß Landecker rohen, durch die antisemitische Presse aus Anlaß des Konitzer Mordes verhetzten Landleuten in die Hände gefallen und so schrecklich zugerichtet worden ist, weil er — nun, weil er — Jude ist. Zu bemerken ist noch, daß Landecker wegen seines bescheidenen Wesens und redlichen Sinnes bei der Landbevölkerung sonst recht beliebt und gern gesehen — sozusagen überall Hausfreund war." Nach dem Grundsatz „Der Starke weicht muthig zurück", verwahrt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.