Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 333 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 333 war, unterblieben weitere Ausschreitungen, aber kaum hatte nach mehrtägiger Ruhe das Militär wieder die Stadt verlassen, so wurde von den Agitatoren die Hetzarbeit wieder ausgenommen und die Ausschreitungen begannen auf's neue. Bezeichnend für den von der „Staatsbürger- Zeitung" der Konitzer Affäre gegenüber eingenommenen Standpunkt ist ihr Bericht, daß der Landrath auf Ersuchen Lewy's Gensdarmerie in dessen Haus einquartieren ließ, weil am Tage Arbeiter, mit Aexten bewaffnet, in dessen Haus eingedrungen seien und Geld von ihm verlangt hätten. Zwar seien nun „Lewy noch die übriggebliebenen Fenster eingeschlagen worden, zu einem Exzeß kam es aber nicht". — Bedrohung mit Aexten und Einwerfen von Fensterscheiben sind also bei der „Staatsbürger-Ztg." keine Exzesse? Als von antisemitischer Bubenhand in nächtlicher Stunde der neben dem jüdischen Gotteshaus stehende Schuppen in Brand gesteckt wurde, entblödete sich dieses Blatt nicht, die elende Verdächtigung zu äußern: „Jetzt, nachdem man den Juden in so bedrohlicher Weise auf den Leib gerückt ist, scheinen sie selbst ihr Allerheiligstes zu Grunde gehen lassen zu wollen, wenn nur die Gefahr von der Rasse abgewendet wird." Von dem Herausgeber der „Staatsbürger-Ztg.", Wilhelm Vruhn, schreibt die „Breslauer Zeitung", er habe den „höchsten Rekord im Geschäftsantisemitismus" erreicht, indem er sogar in der traurigen Konitzer Mordangelegenheit ein .willkommenes Mittel sehe, um sein geehrtes Publikum zu schröpfen. „Ex erläßt in seiner Zeitung einen Aufruf, in dem er zunächst behauptet, daß die Juden durch Aufwendung von Geldmitteln die Entdeckung des Verbrechers — der natürlich ein Ritualmörder sei — zu verhindern suchten, während bekanntlich das Gegenthcil der Fall ist und von jüdischer Seite Mittel aufgewandt sind, um die Entdeckung des Mörders zu erleichtern. Dann aber kommt Herr Wilhelm Bruhn mit seinem Anliegen. „Alle christlichen deutschen Männer und Frauen" möchten nur recht fleißig Geldspenden an Herrn Wilhelm Bruhn in Berlin senden, „da er zur erfolgreichen Durchführung dieses „Kampfes" nicht „kapitalkräftig" genug sei und er somit Kassa brauche!" Seine geschäftsanüsemitischen Pläne scheinen aber fehlzuschlagen, seit auf Beschluß des Landgerichts Könitz gegen den Schlächtermeister Hoffmann die Voruntersuchung wegen Todtschlages eingeleitet und der Arbeiter Maslow, dessen Zeugniß gegen den jüdischen Fleischermeister Adolf Lewy fast täglich von Wilhelm Bruhn als höchst beachtlich hingestellt wurde, unter der Anklage des Meineides verhaftet worden ist. Der Gedanke, daß die Untersuchung auf die richtige Fährte kommen könnte, mag die Leiter der Konitzer 24