Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 327 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 327 diesen wieder den mittelalterlichen gelben Judenfleck anheften, vergessen aber, daß seit jener Zeit der deutsche Jude ein ganzer und ein weit besserer Deutscher, als sie sind, geworden ist, daß der gelbe Fleck an der Brust so vieler trefflicher Männer zu einem Ehrenzeichen werden, aber auch gleichzeitig dazu dienen müßte, in den jüdischen Kreisen die traurige Fahnenflucht zu vermindern. Wenn künftig selbst nach der Taufe Schmuhl Schmuhl bleibt und aus Lewinsohn doch kein Laubhardt wird, dann dürfte sich die Arbeit der „Mission in Israel" noch weit schwerer als bisher gestalten. Christenthum und Judenthum können aber nur Nutzen davon haben^ wenn jene Uebertritte, welche ohne Ueberzeugung, nur aus materiellen Gründen ode* aus Feigheit erfolgen, aufhören, wenn jeder dort, wohin ihn die Vorsehung gestellt hat, seine Schuldigkeit thut. Nach einem Ministerialerlaß soll künftig den Gesuchen auf Genehmigung einer Namensänderung bei Personen jüdischen Glaubens oder Herkunft, bezw. der auf Bestätigung des von.übergetretenen Juden bei der Taufe angenommenen Familiennamens nicht ohne vorher einzuholenden . Ermächtigung des Ministers Folge gegeben werden. Man könnte darin eine demüthigende Sonderbehandlung der jüdischen Staatsbürger erblicken. Wenn man aber bedenkt, ».aß. bisher in vielen Fällen die Genehmigung der Namensänderung nur eine Prämie für den Glaubenswechsel darsteüte, möchte man darin eher einen Schutz gegen Gesinnungslosigkeit finden, eine Verhinderung der Unterschätzung unserer eigenen uralten Familienheiligthümer sowie der Ueberschätzung fremden Eigenthums. Wenn man es erlebt, daß ein Graf Pückler mit dem antisemitischen Maler Bindewald als Wanderredner umherzieht und bei seinen Dreschflegelreden die gröbsten Ausfälle AHIwardt's überbietet, wenn ein Freiherr von Hertzberg-Lottin nur durch die Vorsicht seiner Fraktionsmitglieder verhindert wird, im preußischen Herrenhause die traurige Konitzer Sache im Sinne der „Staatsbürger-Ztg." zu verwerthen, dann muß man doch wahrlich einsehen, daß es nicht die hochtönenden Namen sind, welche den Werth eines Mannes bestimmen. Die auswendig gelernten Brandreden Pückler's, welcher in der Mannheimer Versammlung seine Verurtheilung mit^ den Worten verspottete: „Ob mit oder ohne Ämtsvorsteher, es wird weiter gedroschen!", müßten ihn bei seinen. Standesgenoffen unmöglich machen, wenn ein berühmter Name wirklich zur edlen Führung verpflichtete. Ueber sein Auftreten in Chemnitz schrieb das dortige Amtsblatt: „Unter den antisemitischen Agitatoren ist Graf Pückler jedenfalls die originellste Erscheinung. Der hochgeborene Herr hat