Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 326 (sequence 2)
- Language
- German
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326 3m deutschen Reich. machen und die Verbrüderung der ganzenMenschheit möglichst wenig betonen, der erwähnten antisemitischen Behauptung einen Schein von Wahrheit verliehen. Wenn man einst die „Menschen, denen nichts Menschliches fremd ist", in den Freimaurerlogen gar nicht mehr suchen, aber noch unter den Juden finden sollte, dann hätte für diese der Antisemitismus immerhin etwas Gutes gethan! Treu dem Glauben der Väter, treu dem Vaterlande, treu den höchsten Idealen der gesammten Menschheit soll der deutsche Jude sein, dann kann ihm keine Anfeindung schaden, dann wird er sich als der eigentliche „Freimaurer" erweisen und den besten Deutschen zugezählt werden müssen. Volksthümlich im besten Sinne des Wortes, begeistert für alles, was dem deutschen Volke frommt und seine Kultur erhöht und für das, was den Staat zum Nechtsstaate macht, sollen im entschiedensten Gegensätze zu den verrohten bürgerlichen und junkerlichen Koryphäen des Antisemitismus die deutschen Juden durch Selbstzucht, Gesittung und Gesinnung danach streben, eine „Aristokratie des Geistes und des Herzens" zu bilden, ohne dafür irgendwelche Vorrechte zu beanspruchen. Dazu gehört auch, daß sie die angestammten Familiennamen, gleichviel ob sie alttestamentlichen Ursprungs sind oder ihren Vorfahren in früheren Jahrhunderten von behördlichen Organen aufgedrängt worden, mit Stolz tragen. Sie haben weder Grund, sich ihres Glaubens noch ihrer Abstammung zu schämen, auch nicht der Vorfahren, die für beides standhaft gelitten haben. Wer seinen Stammbaum auf Jsaac Abravanel, Meyer Rothenburg, Moses Jsierles oder Lehmann Behrend zurückführen darf,E kann seine Stirn so hoch tragen, wie die Judengegner Graf Pückler, Freiherr von Hertzberg-Lottin u. a. m. So wenig wie der rechte Christ sich seines Evangeliums schämen soll, braucht der Jude seinen Namen zu verändern, damit man seinen Glauben oder seine Abstammung nicht sofort erkennt. Kommt es doch überhaupt nicht darauf an, welchen Namen man trägt, sondern wie man ihn trägt! Statt mit dem jüdischen Gold verblaßte und morsche Adelsschilder wieder neu und glänzend zu machen, statt mit der jüdischen Intelligenz Kulturlücken in akademischen Kreisen auszufüllen, sollte jüdisches Können wesentlich dazu beitragen, die Ueberzeugung zu verbreiten, daß die Deutschen jüdischen Glaubens ein sehr werthvolles Kulturelement darstellen. Wenn die Antisemiten seit Jahren gegen jüdische Namensänderungen eifern, leisten sie unwissentlich damit dem Judenthum einen Dienst, denn derartige Aenderungen können nur die Anerkennung des Werthes der Juden für das deutsche Vaterland verzögern. Unsere Gegner möchten durch Kenntlichmachung aller Juden