Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 313 (sequence 13)
- Language
- German
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Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland. 313 zusammenberufen, und aus den angesehensten Männrm der jüdischen Gemeinde in Berlin ward das sogenannte „Dezember-Komitee" gebildet, welches im Stillen wirkte, aber nicht in die größere Oeffentlichkeit. trat. Der Deutsch-israelitische Gemeindebund nahm natürlich zur brennendenFrageStellung,mußte stch aber begnügen durch Verbreitung von Flugschriften den Verdächtigungen entgegenzutreten, und war mehr auf die sittliche Hebung und Kräftigung im Innern bedacht. Auch der Deutsche Rabbiner-Verband hat im Jahre 1884 eine Erklärung veröffentlicht, um den gehässigen Anwürfen gegen das Judenthum den Boden zu entziehen. Leider war die Wirkung keine nachhaltige. — Dankbar sei jener edlen christlichen Männer gedacht, die voll Abscheu stch von „der Schmach des Jahrhunderts" abgewandt, — Gneist und Rickert an der Spitze, — die den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" begründet. Doch war es hoch an der Zeit, daß die Juden sich ermannten und den Kampf für ihr Recht nicht andern allein überließen. Raphael Loewenfeld's Flugschrift „Schutzjude oder Staatsbürger?" gab im Jahre 1893 den Anstoß zur Begründung des „Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der viele Tausende um sich schaart, um wirksamer den hetzerischen Angriffen gegenüber zu treten und dem verkümmerten Recht znm Siege zu verhelfen. Wessen wir uns unter den jetzigen politischen Verhältnissen noch zu versehen haben, hat uns das „Tivoli"-Programm der Konservativm verrathen, daran mahnen uns der sogenannte „Assessorenparagraph" und der Versuch, den „konfessionellen Eid" im gerichtlichen Verfahren wieder einzuführen; Vorstöße, um auf Umwegen die verfassungsmäßigen Rechte der Juden außer Kraft zu setzen. Im Ressort des Ministeriums des Innern sind in amtlicher Stellung Juden nicht zu. finden, zu Ofsiziersstellen werden sie im preußischen Heere noch immer nicht zugelassen, und auch die Ministerien der Kultus und der Justiz haben jüdischen Kandidaten die Anstellung zu Lehr- und Richterämtern erschwert. So sind die Verhältnisse heute am Beginn des neuen Jahrhunderts. Was wird uns dieses bringen? Die Zustände sind nicht erfreulich, >und es waren keine