Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 314 (sequence 14)
- Language
- German
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814 Im deutschen Reick. erhebenden Gefühle, mit denen wir vom XIX. Jahrhundert scheiden konnten. Dennoch brauchen wir nicht ob unserer Zukunft verzagt zu sein. Ja, überblicken wir den Weg, den wir zurückgelegt, und denken wir an den Anfang des XIX. Jahrhunderts zurück, so werden wir dem Lenker der Geschicke aus tiefstem Herzen Dank sagen und ihn preisen, „der die Zeiten geändert". Wir sind uns bewußt, daß trotz aller Hemmungen und rückschrittlichen Bestrebungen es vorwärts und aufwärts geht. Wir wissen aber auch, daß unserer neue nicht minder heiße Kämpfe harren. Trotz der gewaltigen Errungenschaften des Menschengeistes hat der Mensch sich doch nur wenig geändert. Wir wissen, was Jahrtausende gesündigt, wird nicht mit einem Male gesühnt, was durch Generationen sich fortgeerbt, wird nicht im Laufe eines Menschenalters entwurzelt. Die dunklen, rohen Instinkte in der Menschenbrust, die Gewalt des Stärkern, die Dummheit, der Neid, der Fanatismus und Bosheit sind im letzten Grunde die Triebkräfte, die den Judenhaß zeitigten und immer wieder Hervorrufen. Es bedarf der stetigen sittlichen und geistigen Arbeit aller Guten und Edlen, um diese böse Dämonen in der menschlichen Gesellschaft zu bezwingen. Wenn noch immer von allen Seiten Holzstöße zu dem Scheiterhaufen getragen werden, auf dem „der Jude" verbrannt werden soll, erinnern wir uns an die Vision, die der große Lehrer geschaut: „Der Dombusch brannte und ward nicht verzehrt." Israel ist durch Gluthen und Flammen, über lodernde Holzstöße hinweggegangen und ist unversehrt geblieben; die Gluthen haben es nicht verzehrt. Um das alte heilige Banner geschaart, haben wir die Aufgabe, das Erworbene zu wahren, zu vertheidigen, dem Judenthum die ihm gebührende Stellung zu erringen und an jener geistigen und sittlichen Arbeit theilzunehmen, welche allein zu den Höhen führt, wo ideale Lebensanschauung und Lebensführung alle Kreise durchdringt und Glaubens-, Klassen- und Rassenhaß keinen Raum mehr findet. Ward im letzten Jahrhundert das Wort „der Kampf um's Dasein" geprägt, so möge für dar kommende „der Kampf um's Recht" die Losung sein. In diesemZeiche« wollen und werden wir siegen!