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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 312

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
Date
1900-06-01
Page
312 (sequence 12)
Language
German
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312 3m deutschen Reich. Praxis volle Berücksichtigung. Der eiserne Kanzler hatte zwar den Standpunkt, den er als jugendlicher Abgeordneter im Landtage von 1847 eingenommen — wo er sich schroff gegen die völlige Gleichstellung der Juden ausgesprochen, — als Staatsmann verlassen. Hatte er ja auf dem Kongreß in Berlin 1878 für die Gleichstellung der Juden in Rumänien das Wort ergriffen, und mit dem Hinweis auf Deutschland die Forderung begründet. — Doch nahm er die Huldigungen der national sich geberdenden Antisemiten huldvoll entgegen und quittierte mit Dank ihre Ergebenheitstelegramme. Auch geschah nichts von Seiten der Regierung, die judenfeindliche Bewegung zu hemmen oder einzuschränken. Maßlose Hetzschriften wurden straflos verbreitet, die Staatsanwaltschaft lehnte in den meisten Fällen jedes Einschreiten ab, zumeist mit der Begründung, daß nicht das Judenthum als Religion, sondem als Raffe, als nationale Sonderheit oder gar, wie es in einem Reskript heißt, als „sozial-politische Erscheinung" angegriffen sei. (Auerbach a. a. O. 102.) Die kulturfeindliche Bewegung zog immer weitere Kreise und erhielt aus verschiedenen trüben Quellen ihre Nahrung. Der „Kulturkampf" hatte die religiöse Intoleranz geweckt und verschärft, die christlich-sozialen Führer suchten die Begehrlichkeit der Massen gegen den angeblich unredlich erworbener: Reichthum der Juden abzulenken, um so der Sozialdemokratie Parteigänger abzufangen, die Männer der Kreuzzeitungspartei forderten immer entschiedener eine „christliche Verwaltung", selbst in den Hallen der Wiffenschaft scheute sich nicht Professor Treitschke, den Ton der Hetze anzuschlagen und suchte durch Ausfälle gegen Juden und Judenthum die nationale Fiber in den Studenten zu erregen. In den Kreisen der Gebildeten hatten,bie Anschauungen Schopenhauers, die Gedanken Nietzsche's und die Lehren des Philosophen Eduard Hartmann'S einen empfänglichen Boden vorgefunden. Die Regierung stand der Judenfrage gegenüber kühl bis ans Herz hinan. Unthätig sahen auch die Juden zu und glaubten, die schlammige Fluth werde bald zerrinnen. Die Abgeordneten jüdischen Bekenntnisses, LaSker, Bamberger, hüllten sich stolz in Schweigen; wo es galt, für das verkümmerte Recht der Glaubensbrüder einzutreten, überließen sie andern das Wort zur Abwehr. Erst im Jahre 1880 hatte Professor Lazarus eine Versammlung

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