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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 311

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
Date
1900-06-01
Page
311 (sequence 11)
Language
German
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Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland.. 3L1 sichten der Regierung entgegen gekommen, und hatte einerseits durch Mißachtung des religiösen Bewußtseins, andererseits durch Zersplitterung der religiösen Kräfte die Hand zur Schwächung des Judenthums geboten. Es wurde hüben und drüben gesündigt. Den Rabinern als religiösen Vertretern der Gemeinde wurde nach eingeholten Gutachten von Seiten des Berliner Vorstandes jede Bedeutung und jede geistliche Gewalt abgesprochen, und Lasker trat für die Aufhebung des Gemeindezwanges ein, welche durch das Gesetz vom 28. Juli 1876 ausgesprochen wurde. Dadurch ist dem willkürlichen Austritte aus der Gemeinde Thür und Thor geöffnet, was in manchen Gemeinden gar schmerzlich empfunden wird. Man that nichts, auch nur die verschiedenen Religionsverfaffungen, die in Preußen in Geltung sind, einheitlich zu; regeln. Der Staat erkennt keine Behörde an, die als Vertretung der Religionsgemeinschaft gelten könnte. Diese Versäumniß rächte sich bitter, als die nächtliche» Gesellen des Judenhasses und der Verfolgungssucht aus ihren Schlupfwinkeln* sich hervorivagtcn und im politischen Leben ein Rückschlag erfolgte. Ohnmächtig stand man den rohen Ausbrüchen des Hasses gegenüber. Es fehlte die Behörde, welche energisch die Interessen der religiösen Gesammtheit wahren und vertheidigen konnte. Eine Eingabe, welche der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin am 17. Oktober 1879 an das Staatsministerium richtete, um gegen das hetzerische Treiben einzuschreiten, wurde nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Staatsminister Eulenburg erklärte auf eine private Anfrage, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlins keine Vertretung der Juden sei. Die Ereignisse der letzten zwei Jahrzehnte, die eine Periode des Niederganges bilden, die noch nicht vorüber ist, sind noch kurz zu erwähnen. Im Jahre 1878 begann Hofprediger Stöcker feine christlich soziale Thätigkeit, der, angeblich zur Erweckung christlichen Sinnes, in Arbeiterversammlungen judenhetzerische Reden hielt. Auf seine Anregung hin wurde eine Petition an den Reichskanzler im Jahre 1880 gerichtet, in der unter andern die Ausschließung der Juden aus allen obrigkeitlichen Aemtern gefordert wurde. Wohl ging man über diese Petition zur Tagesordnung über, aber die darin ausgesprochenen Wünsche fanden in der

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