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Im deutschen Reich · 1900-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1900) · p. 306

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1900)
Article
Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
Date
1900-06-01
Page
306 (sequence 6)
Language
German
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306 Im deutschen Reich. demoralisierendes, frivoles Gesetzgebungssystem erfinden sollen, er hätte für unsere Tage kein passenderes gefunden, als das der bürgerlichen Unfähigkeit des Glaubens wegen." Die volle Schale seines Zornes gießt er über diejenigen aus, die schmählich die Fahnenflucht ergriffen und feige nicht bis zum letzten Hauche die Ehre, das Recht und die Freiheit vertheidigten. „Die Ehre erfordert es," so rief er diesen zu, „selbst wenn ihr Inneres sich der herrschenden Kirche zuneigte, sich nicht eher von ihrer Gemeinde loszusagen, bis das Ziel erreicht, das Palladium der Freiheit auch für die Juden erobert ist." „Ehrlos der Sohn, der sich seines Vaters, ehrlos das Geschlecht, das sich seiner Vorzeit schämt." „Heilig wie das graue Haupt des Vaters, theuer wie das Leben des Kindes, ist jedem fühlenden Menschen die Würde seines Glaubens, die Ehre seiner religiösen Genoffenschaft." Rießer verurtheilte auch auf's Entschiedenste, etwa durch Konzessionen auf religiösem Gebiete die Gleichberechtigung erlangen zu wollen. Religiöse Sitten und Gebräuche, religiöse Einrichtungen seien nicht als Tauschobjekte zu behandeln. Eine Reform müffe aus innerer Nothwendigkeit, nicht aus äußeren Rücksichten hervorgehen, sonst werde die Religion verfälscht. — Was als heiliges Menschenrecht uns zukommt, das dürfe nicht eingehandelt oder eingetauscht werden. Um die Selbstachtung zu heben und den Namen „Jude", deffen sich viele, — wie auch manche heuzutage, — schämten und schämen, zu Ehren zu bringen, gab er eine Zeitschrift heraus mit der Bezeichnung „Der Jude" und wählte absichtlich diese Bezeichnung, denn „wenn ungerechter Haß an unserm Namen hastet, sollen wir ihn dann verleugnen, anstatt alle Kraft daran zu setzen, ihn zu Ehren zu bringen?" — Rießer'S Wort schlug durch, denn er erreichte, daß die Gleichstellung der 'Juden auf das Programm der Liberalen gesetzt wurde. Ihm ward auch die Genugthuung, als Abgeordneter des HerzogthumS Lauenburg im Frankfurter Parlament durch das lebendige Wort kraftvoll für seine zurückgesetzten Brüder wirken zu können. Seiner Mitwirkung war es zu danken, daß in den Grundrechten der Artikel 13 ausgenommen worden, „durch das religiöse Bekenntpiß wird der Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte weder beschränkt noch bedingt".

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