Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 304 (sequence 4)
- Language
- German
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304 3tn deutschen Reich. Das „junge Deutschland" regte sich, Börne und Heine ander Spitze. Von Frankreich ging wieder ein Weckruf aus, der durch die Lande tönte. — Die Julirevolution des Jahres 1830 hatte auch in Deutschland die Geister zu neuem Leben gerufen. Immer lauter wurden die Forderungen liberaler Männer nach Erweiterung der Volksrechte und Herstellung der verfassungsmäßigen Garantien, und aus den Reihen der Juden traten kühne Kämpfer in die Schranken, welche auch für ihre Brüder die vorenthaltenen Rechte beanspruchten und für die volle, ungeschmälerte Freiheit muthvoll eintraten. Leopold Zunz ist hier in erster Reihe zu nennen. Schon im Jahre 1819 hatte er unter der Wirkung der Hep-Hep» Stürme mit andem jungen, hochbegabten Männern den „Verein zur Verbreitung der Kultur und Wissenschaft unter den Juden" gegründet, um durch Hebung der Kultur unter den Juden und durch vertiefte Erkeuntniß die feindseligen Angriffe abzuwehren und dem Judenthum jene Achtung zu erringen, die ihm gebühre. Die hochfliegenden Pläne der jungen Männer scheiterten an der Unzulänglichkeit der Mittel und der allgemeinen Teilnahmlosigkeit. Zunz sah sich bald von seinen Gefährten verlassen, die, die Flinte in's Korn werfend und ihren Jugendidealen entsagend, treulos in der Fahnenflucht das Heil suchten. Zunz allein harrte unerschütterlich auf seinem Posten aus. Aus dem „Mabul", der Sintflut, die er um sich hereinbrechen sah, rettet er die jüdische Wissenschaft, und mit den Waffen einer tiefgründigen Gelehrsamkeit bekämpfte er die verkehrten Maßnahmen der Negierung. Um die Voraussetzung, die Predigt sei dem jüdischen Gottesdienste fremd, in ihrer ganzen Haltlosigkeit nachzuweisen, veröffentlichte er im Jahre 1832 sein grundlegendes Werk „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden", und als aus einem kleinlichen Anlaß im Jahre 1836 ein Verbot erging, die Juden dürften keine deutschen Namen gebrauchen, erschien seine Schrift „Die Namen der Juden", worin er das Lächerliche eines solchen Verbots bloßstellte. Diese Schriften haben die Zurücknahme jener Verordnungen mit veranlaßt. „Es ist endlich Zeit," so schreibt Zunz in seiner Vorrede zu den „Gottesdienstlichen Vorträgen", „daß den Juden in Europa, insbesondere in Deutschland, Recht und Freiheit statt der Rechte und Freiheiten gewährt werde, kein kümmerliches