Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 287 (sequence 5)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 287 Stufe jener Schrnutzprefse stehe, bei welcher der Zweck des Gelderwerbes jedes Mittel heiligt, oder auf der Stufe jener Unwissenden, welche die widersinnigen Darlegungen einer solchen Presse gläubig aufnehmen. Den Verbreitern des Ritualmord-Märchens liege offensichtlich nicht das Geringste daran, die schwebende Untersuchung zu fördern und den elenden Mörder Winter's ermitteln zu helfen, sondern lediglich daran, die Sache zu verdunkeln und weiterhin Verwirrung zu stiften, um die Saat des Hasses weiter aussäen zu können. — In Thorn, wo kürzlich ein kleiner Junge behauptete, den Juden, welche ihn zu schlachten versucht, mit Mühe entwischt zu sein, stellte die Behörde sehr bald fest, daß es sich hierbei um eine Lüge handle, welche dem Kinde zu Hetz-Zwecken eingeblasen worden war. Die Verlogenheit der antisemitischen Presse zeigte sich in ebenso greller Weise bei den neuerlichen Besprechungen der Fälle in Tanten und Skurcz. Da wurde von antisemitischer Seite behauptet, der Tantener Fall sei noch nicht aufgeklärt, die Unschuld des freigesprochenen Buschhoff nicht bewiesen, trotzdem seiner Zeit selbst der Staatsanwalt bestimmt erklärte, es liege gegen Buschhoff nicht der Schimmer eines Beweises vor. Da wurde weiter behauptet, der des Knabenmordes in Skurcz stark verdächtige christliche Fleischer Behrendt sei seiner Zeit von den Geschworenen glänzend freigesprochen worden, während der Freispruch nur mit sechs gegen sechs Stimmen erfolgte und das Urtheil der öffentlichen Meinung in seinem Wohnorte Behrendt zur schleunigen Auswanderung nach Amerika veranlaßte. Die Frage liege nahe, was in Folge der Konitzer Vorgänge der Vorstand des zur Abwehr berufenen Central-Vereins gethan habe. Die Antwort laute: Mancherlei, aber nichts, was die Untersuchung hätte hemmen können, weil es im Interesse der Juden ist, daß die Behörden volle Klarheit schaffen. Der Vorstand des Central-Vereins habe in drei verbreiteten Zeitungen und in Flugblättern die Grundlosigkeit deS Ritualmord-MärchenS dargelegt, außerdem an den Minister des Innern den Antrag gerichtet, Berliner'Kriminalkommissare nach Könitz zu entsenden. Seine weiteren Schritte hier aufzuzählen, empfehle sich nicht, doch werde hoffentlich bald die Zeit kommen, darüber ausführliche Mittheilungen zu machen. Würden dieselben jetzt erfolgen, so würden sie von den gegnerischen Blättern verfälscht werden. Es genüge doch zu konstatieren, daß der Vorstand bestrebt gewesen sei, jede Verdunkelung zu verhüten, und daß er wie bisher sich in energischer Weise bemühen werde, Klarheit zu schaffen. Mehr sei deshalb nicht nöthig, weil die obersten Verwaltungsbehörden das vollste Vertrauen gerechtfertigt hätten, das man in sie zu setzen berechügt