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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 285

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
285 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Vereinsnachrichten. 285 Mitarbeitern der „Horen": Samuel Maimon, Lazarus Bendavid und David Friedländer, sowie mit dem Maler Oppenheim, stand er im freundlichen Verkehr, und ihm hatte es Michael Beer zu danken, daß der „Paria" in Weimar aufgeführt wurde. In seinem Briefwechsel mit Rahel Levin schilderte David Veit begeistert die freundliche Aufnahme, die er schon als Student in Jena bei Goethe gefunden. Den drei Jüdinnen Rahel Levin, Dorothea Schlegel und Henriette Herz schrieb der Vortragende eine große kulturhistorische Bedeutung in Bezug auf die Anerkennung Goethe's zu, indem sie wesentlich dazu beigetragen hätten, daß die literarische Alleinherrschaft Leffing's mit dem 18. Jahrhundert ein Ende nahm. Die Kultur-Geschichte werde dies wahrscheinlich einst dankbarer verzeichnen als Goethe selbst, der zwar dem Juden Moses Mendelssohn einen Ehrenplatz unter den deutschen Popularphilosophen anwies und die Gegner Mendelssohn's bekämpfte, besonders einen gewissen Kölbele wegen seiner unwürdigen Angriffe sehr scharf tadelte, vor allem aber dem Geiste Spinozas stets willig seinen Tribut gezahlt hat, aber trotzdem mit einzelnen freisinnigen Verordnungen Karl August's von Weimar in Bezug auf die Juden sich nicht einverstanden erklärte und in seinem Briefwechsel mit Bettina Brentano sogar über die Frankfurter neue Judenordnung und die Kämpfer für die Juden ziemlich spöttisch urtheilte. Wer aber aus einzelnen humoristischen Strophen aus Goethe's Fragment „Esther" Judenfeindschaft folgern will, versteht sich schlecht aufdie humoristische Grundlage des „Jahrmarkts von Plundersweilen". In ernsten Stunden wußte Goethe die Bedeutung unserer Glaubensgemeinschaft wohl zu würdigen, denn viele Jahre hindurch beschäftigte ihn der Plan des leider unvollendet gebliebenen Gedichts „Der Ewige Jude", in welchem er den „Gang des Judenthums durch die Menschheit" schildern wollte und deffen „werthvollste Ingredienz ein Besuch des Ewigen Juden bei Spinoza" werden sollte. Außerordentlich energisch ist Goethe gegen das Missionswesen ausgetreten, und in den „Sprüchen in Prosa" bat er dem jüdischen Wesen Energie und Strebsamkeit, der Judensprache das Pathetische nachgerühmt. In den „Wanderjahren" hat er die Selbstständigkeit, Tapferkeit und Zähigkeit der Juden gepriesen und von dem jüdischen Volk gesagt: „Es ist, es war und wird sein, um den Namen Jehovah zu verherrlichen." In demselben Sinne schrieb er: „Die Deutschen gehen nicht zu Grunde wie die Juden, weil sie lauter Individuen sind." Wer so Juden und Judenthum schätzt, den wird man vergebens in die Reihen der Judengegner zerren; wer so die Gemeinschaft zwischen Juden und Deutschen heraussindet, zu dem dürfen die deutschen Juden ebenso verehrend emporblicken, wie die

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