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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 271

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
Berlin
Date
1900-05-01
Page
271 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 271 es kein Wunder, wenn Exeesse Vorkommen, die Erregung wachse und das Zutrauen zur Rechtspflege immer mehr schwinde. Eine große Hoffnung, daß der Konitzer Fall aufgeklärt werde, habe man heute nicht mehr. Demnächst kehrt der Polizeikommissar aus Berlin wieder nach hier zurück und dann würden wahrscheinlich vorläufig die Akten geschloffen. Das Blut vieler unschuldiger Opfer schreit gen Himmel! Vielleicht wäre eine Entdeckung in dem letzteren Falle möglich gewesenwenn die Behörden, in erster Linie der Bürgermeister von Könitz, eine größere Energie angewandt hätten. Die christliche Bevölkerung werde aber nach wie vor fragen: „Wo bleibt das Blut unserer Kinder?" (Beifall und Händeklatschen). Reichstagsagsabg. Bindewald leitete seinen Vortrag mit einer Beschwerde wegen des Verfahrens der Firma Nauck & Hartmann ein: Die Antisemiten genießen bei Nauck & Hartmann nicht das gleiche Recht für alle. Es wurde ihnen der Anschlag mit dem Inhalt: „Der Blutmord von Könitz" nicht genehmigt. Daran könne man wieder sehen, wie groß die Macht des Judenthums in Berlin geworden sei. (Pfui-Rufe.) Hiervon hatten sich die Duselköpfe, die s. Z. die Emanzipation der Juden befürworteten, nichts träumen laffen. Mit Recht habe Dr. Bachler hervorgehoben, wie sehr die Blutmördersekte eine Gefahr für die christliche Familie bilö?. So ist es heute und so war es früher. Abg. Bindewald citiert zum Beweise für seine Behauptungen aus einer Broschüre von Dr. Erich Bischoff: „Die Juden und das Christenblut" mehrere Fälle, wo angeblich Kinder verschwunden sind. Der Redner geht dann auf den Polnaer Fall ein und berührt hierauf die Debatte im österreichischen Parlament. Er erwähnt hierbei die angebliche Aeußerung des Grafen Andraffy. Dieser habe gesagt: „Hätte man in dem Fall Tiszar dem Gericht Genüge geleistet, dann wären am andern Tage 20 000 Juden todtgeschlagen worden!" (Zwischenruf: „Wäre kein Fehler gewesen!" Stürmischer Beifall.) Der Redner fährt fort: „In Oesterreich ist somit Mordfreiheit für die Juden proklamiert". (Zwischenruf: „Und in Deutschland?") Bindewald: „Ich werde mich hüten, das auf Deutschland zu beziehen, sonst würde ich mir eine Anklage auf den Hals laden." Aus den Auslassungen des Herrn Bindewald ist nur noch erwähnenSwerth, daß er den Zuhörern anrath, ihre Kinder nicht mit Judenkindern verkehren zu lassen. Daß der Fall Könitz im Reichstage zur Sprache gebracht werde, sei nicht zu erwarten, da bei einer etwaigen Interpellation die Antisemiten keine Unterstützung, vielleicht nicht einmal die des Dr. Oertel von den Konservativen, finden wurden. Durch Schlappheit könne die Judenfrage nicht gelöst 80*

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