Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 270 (sequence 2)
- Language
- German
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270 3tn deutschen Reich. Könitz nicht aus den Aufregungen herausgekommen. Wenn auch jetzt äußerlich Ruhe herrsche, so fluthe und brande die Aufregung doch innerlich fort. Wenn man in Könitz die Lokale besuche, dann werde man erst klar darüber, welchen Grad die Empörung und Erbitterung erreicht habe. Die Ursache bilde der Mord an dem Gymnasiasten Winter. Referent schildert nun die Auffindung der Leiche u. s. w. Schon damals sei der Gedanke aufgetaucht, man habe es hier mit einem Ritualmord zu thun. Der auffällige Umstand, daß die Theile der Leiche in der Nähe der Synagoge gefunden wurden, habe dazu in erster Linie beigetragen. Dazu komme noch, daß Könitz in der Nähe von Skurz liege, wo vor 16 Jahren ein Knabe in ähnlicher Weise ermordet wurde. Hier wie dort war die Abtrennung der Gliedmaßen kunstgerecht durchgeführt, und die Aehnlichkeit dieser beiden Morde werde von vielen Leuten bestätigt. Das merkwürdige Verhalten der Juden habe den Verdacht noch bestärkt. Jeder, der etwas von Ritualmord spreche, habe sofort die gesammte Judenschaft gegen sich und werde als Verleumder bezeichnet. Dr. Bachler erklärt, er wolle nicht von einem Ritualmord sprechen, sondern von einem Blutmord, daß aber eine Sekte bestehe, die Blut zu irgend welchen Zwecken anwende, daran sei kein Zweifel. (Zwischenruf: „Sehr richtig!") Als Beweis führt der Redner Moses an, der wiederholt in schärfster Weise den Genuß von Blut verboten habe. Es könne sich nicht um das Verspeisen von Blut handeln, wie wir es heute in Gestalt von Wurst und dergleichen finden, sondern es müffe das aus religiösem Aberglauben geschehen sein. Der Redner bezieht sich dabei auf den Lantener Prozeß, wo ähnliches zur Sprache gebracht sei. Daß sich in den Religionsbüchern der Juden nichts finde, sei erklärlich; dieser schreckliche Aberglaube werde mündlich überliefert. Wenn das Judenthum seine Gewohnheiten Jahrhunderte hindurch beibehalten habe, warum sollte nicht auch solch' ein alter Aberglaube'heute noch vorhanden sein? Es sei das zu vergleichen mit der Homoöpathie. wo man gegen eine bestimmte Krankheit ein bestimmtes Mittel in kleinen Dosen giebt. Weffen Blut entsündigt werden solle, müffe nach Angabe vieler Autoritäten reines Blut genießen. Das habe ja auch der Rabbinatskandidat Bernstein in Breslau offen zugestanden. Der Redner verweilt dann bei dem Polna«r Prozeß und berührt einige andere Fälle aus früherer Zeit; er kommt zu dem Schluß: „Ein Jude soll nie den Muth sinken laffen und wenn er sechs Mal zum Tode verurtheilt wird, gehängt oder gerichtet wird er doch nicht!" Die Themis hat, wenn es sich um einen Juden handelt, die Binde von den Augen entfernt und wägt wohl ab, wen sie vor sich hat. Da sei