Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 268 (sequence 10)
- Language
- German
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68 3tu deutschen Reich. von Päpsten und oberste kirchliche Autoritäten als bestechliche Individuen, die um Geldes willen falsches Zeugniß abzulegen bereit gewesen wären". Mit Rücksicht auf den parlamentarischen Anstand, auf besten Wahrung wohl die höchsten kirchlichen Autoritäten auch dann Anspruch haben, wenn er durch Mitglieder der christlich-sozialen Mehrheit des Landtages verletzt wird, erlaube ich mir die Frage: „Finder der Herr Landmarschall in dem vorerwähnten Vorfall keinen Anlaß, von seinen geschastsordnungsmäßigen Rechten Gebrauch zu machen?" — Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, welchen verderblichen Einfluß derselbe Abg. Ernest Schneider auf den Gang des Kuttenberger Prozesses ausgeübt hat. Der Wiener Kastationshof hat das in diesem Prozeß gefällte Urtheil auf Antrag des General-Prokurators auf Grund des von der czechischen Fakultät abgegebenen Gutachtens aufgehoben. Wie verlautet, hat sich ergeben, daß sich die Blutflecke an der Kleidung Hülsner's nicht als Menschenblut Nachweisen lasten, daß ferner das bei der Leiche Vorgefundene Blut der Menge entspricht, die in Folge solcher Verletzungen aus dem Körper entströmen konnte, endlich daß wahrscheinlich eine Abart des perversen Lustmordes (Rekroplülw) vorliegt. Damit fällt das ganze Gebäude der österreichischen Antisemiten zusammen. Den ungarischen Antisemiten ist es nicht bester ergangen, als sie am 25. April durch eine Interpellation des Abg. ZrneskLl an die Auffindung der Leiche eines jugendlichen Vagabunden in Nämeßtü- Reflexionen über die Ritualmord-Legende knüpfen wollten. Der Justizminister Ploß erklärte, er wisse wohl, daß in Nümeßtö ein Knabe todt aufgefunden wurde, aber nicht blutleer — wie dies Zmeskül behauptet habe, sondern in einer großen Blutlache. Auch sonst wies der Minister dem Interpellanten manche Unwahrheit nach. Derselbe hatte die Versumpfung der Untersuchung auf das Erscheinen einer Judendeputation beim Minister zurückgeführt, während der Letztere erklärte, daß eine solche Deputation gar nicht bei ihm erschienen sei. Trotz aller dieser beschämenden Widerlegungen versuchte Zmeskäl seine widersinnigen Behauptungen aufrecht zu erhalten, doch erweckte er damit nur Heiterkeit. Bei den Gemeinderathswahlen in Frankreich haben am 6. Mai die Antisemiten mehrfache Erfolge errungen, welchen als eine Kraftprobe der Parteien eine politische Bedeutung beigemesten wird, zumal man annimmt, auS dem Ergebniß dieser Wahlen auch auf die zukünftige Zusammensetzung der Deputiertenkammer schließen zu können. Die deutschen Antisemitenblätter prophezeien, daß in nicht zu ferner Zeit daS Pariser Stadthaus von einer ähnlichen judenfeindlichen GememderathSmehrheit verwaltet werden wird, wie solche