Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 269 (sequence 11)
- Language
- German
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Umschau. 269 sich im Wiener Rathhause heimisch gemacht hat. Um so schlimmer füx die Pariser und für die bürgerliche Freiheit der Franzosen! Wo die Fanatiker des Rassen- und Glaubenshasses die Oberhand erringen, bringen sie die Knechtschaft des Mittelalters wieder in Flor. Einer der edelsten Franzosen, Jean JacqueSRousseap, schrieb am Ausgang des 18. Jahrhunderts in seinen Briefen „äs ln Montagne“: „Weit entfernt, die Grundprinzipien der Religion anzugreifen, hat der Autor sie mit aller Kraft befestigt. Was er angreist, ist der blinde Fanatismus, der greuliche Aberglaube, das alberne Vorurtheil. Man soll das alles schonen, sagen sie. Warum? Weil man damit die Völker leitet. Ja, zum Verderben leitet man sie damit. Der Aberglaube ist deS Menschengeschlechtes schrecklichste Geißel, verdummt die Schlichten, verfolgt die Weisen, kettet die Völker und nützt nur den Tyrannen, deren schrecklichste Waffe er ist!" A. L. Korres^orrderrZerr. Berlin, 20. Mai. Ueber die Volksversammlung am 9. Mai im Buggenhage naschen Saale am Moritzplatz wurde uns berichtet: „Die weiten Räume sind gegen Sl/2 Uhr erst zur Halste gefüllt. Anwesend sind Männer und Frauen. Wie es scheint, fehlen die antisemitischen jungen Kaufleute gänzlich, dagegen sind einige Studenten anwesend. Nach 9 Uhr besteigt der gegenwärtige Leiter des deutschen Antisemitenbundes, Rechtsanwalt Bunge, in Begleitung der Neserenten Dr. Bachler, Reichstazsabgeordneter Bindewald und Redakteur Wilberg die Tribüne. Zur Seite des Vorstandes haben ein Polizeilieutenant und ein Schutzmann Platz genommen. Rechtsanwalt Bunge erklärt in etwas förmlicher Weise die Versammlung für eröffnet. Das Räthsel in Könitz habe auch in Berlin großes In» teresie hervorgerufen, deshalb sei eS dem Deutschen Antisemitenbunde zweckmäßig erschienen, eine Versammlung einzuberufen. Er schließt mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Versammlung einstimmt. Ter erste Redner deS Abends, Dr. Bachler, führt aus: Seit mehr als 9 Wochen sei die Bevölkerung in dem westpreußischen Städtchen 20.