Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 266

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
266 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316663-2316669--06748-2326018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

268 Hin deutschen Reich. unerfreulich aus. Jetzt solle man sich gar noch freuen über die Ankunft Franz Joseph's in Berlin, der nichts für die Deutschen in Oesterreich Lhue. Daß derartige demagogische Aeußerungen, welche die Mehrheit des deutschen Volkes wie einen Schlag in's Gesicht berühren müssen, nicht nur der Gesinnungsausdruck eineeinzelnen Antisemitenführers sind, beweisen ähnliche Auslassungen anderer Organe dieser Partei. Während in der deutschen ReichLhauptstadt Fürst und Volk dem greisen österreichischen Kaiser zujubelten, brachte am 4. Mai das Dresdener Organ des Antisemiten Oswald Zimmermann eine Notiz auü Oesterreich, in welcher über den Polnaer Fall und. die frühere Freisprechung des Ritter'schen Ehepaares behauptet wurde, in Oesterreich habe „Madame Justitia bewiesen, daß sie jeder Zeit eine treue und ergebene Magd des JudenthumS ist". Diese gehässige Notiz schloß mit den aufreizenden Worten: „So geschehen im christlichen Staate Oesterreich, wo das Staatsoberhaupt erst kürzlich einem Rabbiner gegenüber unter dem Ausdrucke des Beileids äußerte, daß die Juden schwere Zeiten haben!" Unter der Ueberschrift: „Verjudung von Kunst und Wissenschaft" hat kürzlich die „Staatsbürger - Zeitung" berichtet, in die Sachverständigen-Kommission bei den Königlichen Museen für 1900 bis 1903 sei auch ein Bankier Alexander Meyer Cohn für das Völkerkunde - Museum und ein Herr James Simon für die Gemäldegalerie „g e w ä h l t" worden. Außer der freundlichen Note: „Das geht noch über die Judenteppiche in der Kaiser Wilhelm - Gedächtnißkirche!", fügte die „Staatsbürgerin" die Frage m Klammern bei, „von wem" Herr Simon eigentlich „gewählt" worden sei? Darauf erwiderte das „Berliner Tageblatt": „Kein Geringerer als der deutsche Kaiser hat, wie die übrigen Mitglieder, so auch Herrn Kaufmann James Simon durch Allerhöchsten Erlaß vom 26. März 1900 (gegengezeichnet Studt) in die Kommission von Sachverständigen berufen!" — Die Entgegnung der sonst von Loyalitäts-Phrasen überströmenden Antisemiten-Presse lautet: „Unsere Kritik richtet sich jn diesem, wie in allen ähnlichen Fällen nicht gegen den Träger der Krone, sondern gegen, deren verantwortliche Rathgeber. Darum fragten wir, wer für die Wahl der Juden verantwortlich sei, darum ließen wir die Bestätigung durch den König ganz aus dem Spiel, darum hindert unS die gebotene Rücksicht auf die Person des Monarchen auch nicht, die Anstellung jüdischer Richter fort und fort als Mißgriff zu bezeichnen, obgleich die Ernennung der Form nach durch den Landesherrn .geschieht." Diese Ausrede ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.