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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 264

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
264 (sequence 6)
Language
German
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264 Im deutschen Reich. kalten Blutes die Pistole auf die Brust Ihres satisfaktionsfähigen Gegners richten, der Ihnen eine Ohrfeige gegeben hat. Wir können es mit unserer Sittlichkeit nicht vereinbaren, uns über das höchste aller göttlichen Verbote hinwegzusetzen. Ist es mir somit vom psychologischen Standpunkt aus begreiflich, weshalb Sie ohne Besinnen dem Judenthum das entsetzliche Verbrechen des Mordes unterstellen, so müssen wir doch diese Unterstellung mit Entrüstung zurückweisen, und Sie werden es nach dem Gesagten verstehen, weshalb wir der von Ihnen geforderten „authentischen Uebersetzung" mit ruhiger Seele entgegenschauen. Wenn wir gleichwohl diese Uebersetzung und den Vorschlag derselben bekämpfen, so geschieht dies einmal deshalb, weil wir im Vollgefühle unserer sittlichen Unversehrtheit nicht nöthig haben, uns ausdrücklich von dem Verdacht des religiösen Kannibalismus reinigen zu lassen, und dann auch deshalb, weil wir uns mit Ihnen wohl kaum über den Begriff der Authenticität jener Uebersetzung einigen würden und nach den Erfahrungen, die wir mit antisemitischen Uebersetzung en jüdischer Schriften gemacht haben, befürchten müßten, daß die „authentische" Uebersetzung eine falsche und tendenziöse würd e." Die vom Freiherrn v. Hertzberg-Lottin im Herrenhause vorbereitete Interpellation über „Ritualmorde" ist am Widerstande der Mehrheit der konservativen Fraktion des Herrenhauses gescheitert. Die Einbringung der Interpellation wird daher unterbleiben. Damit entfällt für das Herrenhaus die Nothwendigkeit einer unerquicklichen Debatte, die voraussichtlich doch nichts weiter gewesen wäre, als eine Wiederholung „einer Szene vergangener Tage" mit demselben Ausgang wie die Herrenhaus-Sitzung vom 29. April 1896. Der Interpellant ist aber nicht nur der Gefahr entgangen, sich in parlamentarischen Kreisen bloßzustellen, sondern der noch größeren, wie Graf Pückler zum Werkzeug der Geschästsantisemiten herabzusinken. Wenn man das Treiben der antisemitischen Patrone und der Klienten derselben unbefangen betrachtet, dann kommt man zu derselben Anschauung wie der „Hann. Courier", der kürzlich den „Fürst Bismarck und der Antisemitismus" überschriebenen Artikel mit den Worten einleitete: „Eine der trübsten Erscheinungen des öffentlichen Lebens der Gegenwart ist die Vermengung von Fragen konfessioneller, sozialer und wirthschaftlicher Natur zu politischen Zwecken und vor allem -- mit demagogischen Mitteln. In Deutschland wird diese Richtung gegenwärtig auf der rechten Seite

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