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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 263

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
263 (sequence 5)
Language
German
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Umschau. 263 Wendung kämen, erwiderte Geheimer Rath Löwenberg, daß bei einer Prüfung nicht gegen ein einziges jüdisches Religionsbuch etwas zu erinnern gewesen wäre. ES seien 551 verschiedene Bücher von der Negierung geprüft und zugelaffen; ein Mangel an Lehrmitteln, der eine Anwendung des Schulchan-Aruch veranlassen könnte, sei also nicht vorhanden- Dem Freiherrn von Hertzberg ist unverzüglich von jüdischer Seite in einem offenen Briefe des Rabbiners Dr. Ackermann, eine Abfertigung zu Theil geworden, die Hand und Fuß hat. In derselben heißt es u. A.: „Wir Juden haben weder Geheimschriften noch geheime Ueber - lieferungen. Alle unsere religiösen Schriften sind in einer Sprache geschrieben, die erlernt und verstanden werden kann. Daß Sie dieselbe nicht erlernt haben und nicht verstehen, in Folge dessen eine „authentische Übersetzung" wünschen — daran sind doch nicht die Schriften schuld, und Ihre Logik wird Ihnen andererseits sagen, daß Schriften, die authentisch übersetzt werden können, nimmermehr Geheimschriften sind. Von geheimen Ueberlieferungen könnte nur die Rede sein, wenn dieselben entweder in einer nur den Eingeweihten verständlichen Sprache geschrieben oder nur der mündlichen Fortpflanzung anheim gegeben waren. Keiner dieser beiden Fälle trifft zu. Denn selbst die von der jüdischen Lehre festgehaltene mündliche Ueberlieferung einer Anzahl von Gesetzen war in Wahrheit nur durch mehrere Jahrhunderte eine mündliche. Die Gesetze dieser Lehre sind längst ausgeschrieben und können von demjenigen, der die Sprache erlernt, ebenso gut gelesen und verstanden werden, wie die des Pentateuchs. Allein selbst gesetzt den Fall, daß auch heute noch ungeschriebene, gesetzliche Ueberlieferungen innerhalb des Judenthums existierten, so könnten dieselben nur harmloser Natur sein. Eine Ueberlieferung aber, wie die des „NitualmordeL" oder „Blutmordes" wäre auf dem Boden des Judenthums undenkbar; denn im Pentateuch, diesem für das Judenthum heiligsten, auf göttlicher Inspiration beruhenden Buche, findet sich unrer den zehn Sinaiworten, die das Fundament aller Sittlichkeit bilden, auch dieses: „Du sollst nicht tödten!" An diesem Verbot ist nicht zu drehen und nicht zu deuteln. Es ist klar wie die Sonne, und keinerlei Ueberlieferung könnte gestatten, was durch göttlichen Ausspruch so unzweideutig verboten ist. Denn in den Kreisen, denen Sie angehören, existirt wohl eine Ueberlieferung, die jenem Verbot des TödtenS in'S Antlitz schlägt, und auch Sie würden wahrscheinlich

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