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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 260

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-05-01
Page
260 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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"260 3tn deutschen Reich. zähltes die Form des Wirklichen angenommen; die Untersuchungsbeamten werden mit einer Fluth unwahrer Angaben überschwemmt und wenn sie sich widersprechende, widersinnige Aussagen zurückweisen, erzählt man am Biertisch, „daß wichtige Zeugen entweder überhaupt nicht vernommen oder die von ihnen aufgedeckten Spuren aus unsachlichen Gründen von den Behörden verkästen werden". In welche unqualifizierbarer Weise von gewisser Seite alles geschieht, um die Erregung zu steigern, geht aus einer Mittheilung der „Staatsbürger- Zeitung", hervor, die es gewissermaßen als erwiesen annimmt, daß „ausländische Juden eigens zu der Abschlachtung nach Könitz gekommen wären." Als Frau Kreisschulinspektor Rohde als die Besitzerin des bei der Leiche Winter's gefundenen Taschentuches ermittelt war, ist in einer amtlichen Bekanntmachung sehr richtig gesagt worden: „Es muß das allergrößte Befremden erregen, daß sich die Dame in Anbetracht der ungeheuren Wichtigkeit der Sache nicht sofort gemeldet und der Behörde so eine Unsumme von unnützer Arbeit gemacht hat, trotzdem das Taschentuch Wochen lang öffentlich ausgestellt und die Stickerei in allen Zeitungen und durch Bekanntmachungen vor Augen geführt worden ist. Dieselbe traurige Erscheinung trat zu Tage bei den Nachforschungen nach dem Schreiben und der Urheberin der an Winter gerichteten anonymen Postkarte. Beide hatten sich ebenfalls auf das in der Preffe ausgesprochene dringende Ersuchen nicht gemeldet, sondern sind erst nach langwierigen Recherchen ermittelt worden. Es wäre wirklich zu wünschen, daß das Publikum einsehen möchte, wie viel bester es wäre, wenn es durch Mittheilung wichtiger Thatsachen die Behörden unterstützt, statt durch nicht sachgemäß betriebene Forschungen nach unwesentlichen, von der Behörde längst aufgeklärten Dingen den Fortgang der Untersuchung zu erschweren." Die ungewöhnlich hohe Belohnung, welche auf die Ermittelung des Mördersausgesetzt worden ist, beweist, daß die Regierung entschieden willens ist, der Sache auf den Grund zu kommen. Wenn es .sich bestätigen sollte,daß der Justizminister die Akten in der Winter'schen Mordsache eingefordert hat, dann ließe sich hoffen, daß das Spiel der Antisemiten, die Untersuchungsbehörde auf falsche Fährte zu locken, vereitelt würde. Die Staatsregierung hat öffentlich zum Ausdruck gebracht, daß sie Aufklärung will, Aufklärung um jeden Preis! Den Beamten ist dies überdies dienstlich noch in der denkbar nachdrücklichsten Form bekannt gegeben worden. So ist wohl ein Ruhigerwerden der im höchsten Grade erregten Gemüther nunmehr mit Sicherheit zu erwarten. Und ein solches wäre dringend wünschenswerth, wünschenswerth

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