Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1900)
- Article
- Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
- Date
- 1900-05-01
- Page
- 242 (sequence 6)
- Language
- German
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242 Im deutschen Reich. heiliges Vermächtniß dem deutschen Volke übergab, dessen Erfüllung aber einer noch fernen Zukunft Vorbehalten bleibt. „Zu einer Zeit" — so würdigt Lessing'S Wirksamkeit ein späterer edler Kämpfer für Recht und Freiheit, Gabriel Rießer — „zu einer Zeit, wo die Unterdrückung in der politischen Sphäre noch allgewaltig, wo noch kein Ring der tausendjährigen Fessel gelöst, wo noch kein dürftiger Strahl besserer Einsicht in das finstere Vorurtheil der Massen gedrungen war, da fanden Duldung, Menschenliebe, Versöhnung der Religionen ein herrliches Asyl in dem Zauberreiche der Leffing'schen Muse. Es war kein eitles Bild, das hier dem müßigen Ergötzen aufgestellt wurde, es war ihre Zukunft, ihr Ziel, ihr Ideal, das der Menschheit in dem Zauberspiegel der Dichtung vor die Augen geführt wird." — Als „Die Juden" erschienen, äußerte der Göttinger Professor Michaelis, ein freigefinnter, rationalistischer Theologe in seiner Kritik des Lustspiels die Meinung, ein edler Jude sei eine poetische Unmöglichkeit. Lessing hatte die Genugthuung, einige Jahre später (1754) in Wirklichkeit einen so edlen Vertreter des Judenthums in einem ihm gleichaltrigen Jüngling kennen zu lernen, dessen Gedankenhoheit, Wahrheitsliebe und Edelsinn ihn unwiderstehlich angezogen, mit dem er den innigsten, bis zum Tode ungetrübten Freundschaftsbund geschlossen. Es war dies Moses Mendelssohn. Mendelssohn benutzte wohl, als er einen geachteten Namen erworben, seine einflußreichen Beziehungen um, wo er nur konnte, seinen bedrängten Brüdern Hülfe zu bringen. Jedoch war er bei seiner scheuen, friedliebenden Natur nicht dazu geschaffen, den Kampf für Recht und Freiheit aufzunehmen. Seine warme Verteidigung des Judenthums in seinem „Jerusalem" ist ihm erst durch aufdringliche Bekehrungsversuche abgerungen worden. Er war der Meinung, wie er es einmal äußerte, daß den herrschenden Vorurtheilen gegen Juden nur von Christen begegnet werden könne, da in eigener Sache das Wort zu ergreifen übel ausgelegt werden könnte, (s. L. Geiger. Geschichte der Juden in Berlin. S. 83.) Dennoch darf Mendelssohn's Wirken für die Emanzipation nicht unterschätzt werden. Wenn er auch persönlich nicht hervorgetreten, so hat doch da» Gewicht seiner Persönlichkeit nicht nur