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Im deutschen Reich · 1900-05-01 · Heft 5 (Mai 1900) · p. 241

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 5 (Mai 1900)
Article
Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland
Date
1900-05-01
Page
241 (sequence 5)
Language
German
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Der Kampf um die Emanzipation der Juden in Deutschland. 241 des Fanatismus nahmen die Väter hin, ergeben in das unabänderliche Geschick, und betrachteten sie als Strafe der Vorsehung „für ihre und ihrer Väter Sünden". Das mar der Scelenzustand der Juden in Deutschland das ganze lange Mittelalter hindurch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Judenviertel bildete eine eigene Welt, welche mit schier unübersteigbaren Mauern von der Umgebung abgeschloffen war. Den Christen waren die Juden ein Gegenstand des Spottes und der Verachtung, den Kirchlich-Gläubigen galten sie als wandelnde Zeugnisse des Fluches, der sie getroffen, der sie zur Ruhelosigkeit verdammte. Selbst den vornehmsten Geistern erschienen sie in ihrer eigenartigen Lebensweise und dem Jargon, der sich innerhalb der Ghettomauern entwickelt hatte, — ein ungeheurer Anachronismus zu sein, dem sie verständnißlos, ohne jegliche Theilnahme, ja voller Abneigung gegenüber standen. Selbst ein so freier humaner Geist wie Schiller spricht noch im Jahre 1789 „von der Unwürdigkeit und Verworfenheit der (jüd.) Nation" (In der „Sendung Mose's".) Herder, der den Geist der biblischen Poesie so wunderbar erfaßte, sieht mit Verachtung auf die Juden seiner Zeit herab, (s. Herder, Ideen zur Phil. III Th. 97) und auch Goethe, der ihre Treue und Beharrlichkeit schätzt und der Meinung Ausdruck giebt, es sei das Volk bestimmt, „Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen", will ihnen keinen Antheil an der höchsten Kultur gönnen. (Wilhelm Meister'- Wanderjahre III Kap. 11.) Keiner, der sich der Verfolgten angenommen, der dem Volke, das einer Welt die Religion, das Buch der Bücher gebracht, gerecht geworden wäre, es vorurtheilslos beurtheilt hatte. Um so Heller strahlt aus dunkler Nacht der Name Gotthold Ephraim Lefs ing' s uns entgegen, der schon in seiner Erstlingsschrift, welche er charakteristisch „Die Juden" betitelte, von „von Vorurtheilen freier Liebe" geleitet eine Lanze für die Geächteten und Verfolgten brach. „Die Juden" sind im Jahre 1747 erschienen. Von dieser Schrift ist der Anfang de» Kampfes um die bürgerliche Gleichstellung zu datieren, der bis heute währt und noch nicht zu Ende ist. — Leffing ist der erste, erhabene Vorkämpfer der Emanzipation, der unentwegt für fein großes Lebensideal eingetreten, das er uns so herrlich in seinem „Nathan' gezeichnet, ein Werk, das er als

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