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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 233

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1900-04-01
Page
233 (sequence 3)
Language
German
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Bächerschau. 233 Unter den wissenschaftlichen Aussätzen des Jahrbuchs über einzelne Themata nimmt meines Erachtens die Studie des Marburger Geh. Regierungsrathes Professor Hermann Cohen über ,Fiebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch" den ersten Rang ein. In diesem Aufsatze finden wir glänzende Ausführungen über die tiefsten Fragen der Religion, namentlich auch über den Unterschied zwischen der jüdischen unv der christlichen Religionslehre. Es wird dargethan, daß nicht, wie so vielfach behauptet wird, die Sittenlehre, welche der Stifter der christlichen Religion gepredigt hat, als eine Vervollkommnung der jüdischen Lehre anzusehen ist. Daß die Feindesliebe auch im Alten Testament anbefohlen wird, geht aus den von Cohen citierten Stellen wie Spr. 24,17: „Wenn Dein Feind fällt, so freue Dich nicht, und wenn er strauchelt, so frohlocke nicht Dein Herz", und 3. Buch Moses 19,18: „Räche Dich nicht und trage nicht nach," unzweifelhaft hervor. Dagegen sind die Worte der Bergpredigt: „So Dir jemand einen Streich giebt auf Deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar, und so jemand mir Dir rechten will und Deinen Rock nehmen, dem lasse auch den Mantel" aus dem als unmittelbar bevorstehend erachteten Weltgerichte verständlich. (S. 129). Wir können hier nicht weiter auf das Einzelne eingehen; sicher aber kann dieser ganze Aufsatz allen jüdischen Religionslehrern und Geistlichen auf's Wärmste empfohlen werden. Sie werden dadurch in Stand gesetzt, dem leichtfertigen Abfall unter unfern Glaubensgenossen entgegenzuwirken. Geschieht er auch regelmäßig aus materiellen Gründen, so. liegt doch in der Unbekanntschaft mit der ererbten Religion seine Hauptquelle. So gut wie evangelische und katholische Schüler auch von den Unterscheidungslehren ihrer Konfession gegenüber den anderenhören, sokönnen, ja.müssen auchunsereKinderdavon erfahren. Ausdrücklich sei hervorgehoben, daß die Darstellung Cohen's so gefaßt ist, daßAndersgläubige,die sie zufällig lesen würden, jedenfalls nichts Verletzendes darin finden können. Wie oft wird nicht leider, wahrend Klugheit und Anstand uns verbieten, die Pietätsgefühle zu verletzen, die unsere Mitbürger ihrer ererbten Religion gegenüber hegen, dies von solchen Apologeten des Judenthums außer Acht gelassen, denen sowohl die umfassende Gelehrsamkeit wie der Scharfsinn Cohen's fehlen. Ohne den Einfluß wissenschaftlicher Schriften zu überschätzen, möchten wir doch wünschen, daß Cohen seine Ausführungen auch an anderer Stelle veröffentliche, wo sie auch von christlichen Gelehrten gelesen werden» Wie falsch noch die Stellung des Judenthums zu Andersgläubigen, selbst von solchen Christen aufgefaßt wird, die sich mit einzelnm Theilen seiner Geschichte wissenschaftlich beschäftigen, lehrt in demJahrbuche 17

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