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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 232

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1900-04-01
Page
232 (sequence 2)
Language
German
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232 3m deutschen Reicb. zu Willen wären. Die Folge von dem allen war das Verfahren gegen Dreyfus, gegen den Juden, dem man nun die von anderen begangenen Verräthereien aufpackte." Mit Recht betont Philippson bezüglich des Antisemitismus in Deutschland, daß wir ihn „nicht deshalb für verringert halten dürfen^ weil er nicht mehr so laut auf den Gaffen tobt, und weil die Mehrzahl seiner Hetzblätter eingegangen ist". „Um so tiefer ist er in dasinnerste Wesen aller Klaffen eingedrungen, auch derjenigen, die ihn äußerlich verleugnen." Es hatte bei dieser Gelegenheit auch auf den Bund der Landwirthe hingewiesen werden müffen. Diese Organisation: der Junkerpartei, die sich deS Antisemitismus zu ihren demagogischen Zwecken bedient, verbreitet antisemitische Flugblätter, Kalender und- Zeitungen in Waffen auf dem Lande und ist daher nicht weniger schädlich als die auf den „todten Punkt" gelangte Partei des RadauantisemitismuS. Philippson spricht auch über die Bekämpfung des Antisemitismus, meint aber, es bedürfe nicht sowohl der Abwehr nach außen als der inneren Reformthätigkeit. In Wahrheit bedarf es der einen wie der anderen; wir dürfen nie vergessen, daß, wenn „die Unruhe, die Formlosigkeit, das laute hastige Wesen und ähnliche Fehler einzelner unter uns unserer Gesammtheit zum Nachtheile gereichen", viele unserer Feinde uns auch dann angreifen würden, wenn wir alle fehlerfrei wären. Auch auf die einzige Empfehlung, die Philippson an dieser Stelle geben will: „Kein Paktieren mit unlauteren Elementen unserer Gemeinschaft!" scheint er mir doch viel zu viel Gewicht zu legen. Er meint: „Zeigt unlauteren Elementen Eure Geringschätzung, schließt sie, auch wenn sie noch so reich sind und noch so üppig leben, unbedingt von Eurer ehrenhaften Gesellschaft aus." Wenn auch in seinem Privatleben jeder nach dieser Maxime handeln sollte, so würde doch jede Organisation eines solchen Ausschlusses leicht zu Splitterrichterei, Ueberhebung und sogar zur Heuchelei führen. Dem Rückblick auf die politischen Jahresereigniffe folgt wiederum eine literarische JahreSrevue, die wie in den früheren Bänden von dem kenntnißreichen Gustav KarpeleS verfaßt ist. Von Büchern, welche unseren Leserkreis besonders interessieren, seien aus dem Berichtsjahre hier Kohut's prachtvoll ausgestattete Geschichte der deutschen Juden und die gesammelten Schriften unseres verstorbenen edlen Mitgliedes Emil Lehmann genannt. Aus KarpeleS' Ausführungen sei namentlich auf die Bedeutung hingewiesen, welche die neusten Ergebnisse der assyriologischen Forschungen für die Erkenntniß der altisraelitischen Geschichte besitzen sollen. Vielleicht läßt das Jahrbuch uns von berufener Seire einmal nähere Mittheilungen über iene interessanten Forlckunaen au Theil werden.

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