Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 204 (sequence 8)
- Language
- German
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204 3m deutschen Reich. klärlich, da sie etwas Sensationelles für ihre Abonnements-Einladung braucht, die fte durch folgende abscheulichen Sätze würzt: „Es unterliegt keinem Zweifel (!!), daß der scheußliche Mord in Könitz wieder einer jener jüdischen Blutmorde ist, deren schon so viele ungesühnt geblieben sind. Wir wollen unser deutsches Volk aufklären, damit durch den Volkswillen unsere Staatsmachthader zu einem Vorgehen gegen Juden, Judengenosien und ihre Umtriebe gezwungen werden. Deutsche Männer und Frauen unterstützt uns in unserem Kampf! Werbt neue Leser für die „Staatsbürger-Zeitung" u. s. w." Und dabei haben diese „Geschästsantisemiten" die Stirn, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit gegen „jüdischen Geschäftssinn" zu eifern! Fast noch widerlicher und sicher gefährlicher ist aber das Gebahren derjenigen Blätter, welche den Antisemitismus nur als Nebengeschäft betreiben; ihr Verhalten schildert die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" treffend wie folgt: „Mit heuchlerischer Miene wird zunächst versichert, daß man selbstverständlich an einen Ritualmord nicht glauben könne; dann aber kommt sofort der Tartüffe zum Vorschein, denn unmittelbar darauf wundert man sich, daß doch gerade immer vor dem Osterfeste solche Fälle eintreten und daß wiederum — sehr merkwürdig — auch diesmal bei der Leiche fast gar kein Blut gefunden worden sei. Zum Schluß verlangt Tartüffe, daß eigentlich die Juden selbst alles mögliche aufbieten müßten, um diese alberne Fabel zu widerlegen. Gelegentlich führt er auch einmal einen jüdischen Kronzeugen auf, der natürlich nicht genannt wird, oder wenn er genannt wird, sich als ein Geisteskranker oder als ein getaufter Jude oder Judenfeind entpuppt." Die von der — „konservativen" — „Danziger Allgemeinen Zeitung" ausgestellte und von der „Staatsbürger-Ztg." weiter verbreitete völlig unglaubhafte Behauptung, daß ein Konitzer Jude das Vorkommen von Ritualmorden zugegeben habe, hat die Erbitterung in den dortigen Kreisen erheblich vermehrt. Der jüdische Kaufmann Selig Zander in Könitz, der gesagt haben sollte, daß es in der That Ritualmorde gäbe, bestreitet entschieden, eine solche Aeußerung gethan zu haben. Ueber den Gang der Untersuchung in der Konitzer Affaire sind durch antisemitische Blätter aufregende Einzelheiten veröffentlicht worden, von denen sie nur durch einen Bruch des Amtsgeheimnisses hätten Kenntniß erhalten können, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach völlig auf Erfindung beruhen und dann als die schlimmste Art des „Groben Unfugs" zu beurtheilen sein würden. Daß durch solche Berichte Lustmörder geradezu angeregt werden, ihren Opfern nachträglich den Hals zu durchschneiden und die Leichen durch Waffer so auslauaen zu lasten.