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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 200

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-04-01
Page
200 (sequence 4)
Language
German
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200 3m deutschen Reich. Späße mit grober Stimme in den Saal hineinschrie, bei dein brüllenden Gelächter auf der Rechten und der großen Unruhe auf der Linken, fast den Charakter einer Radauversammlung an. So gelang eS den Antisemiten einmal wieder, das Niveau der Verhandlungen, die sich auf einer bewundernswerthen Höhe gehalten hatten, so tief herabzudrücken, wie es immer da der Fall ist, wo Antisemiten eingreifen." Die Juden für alles Mögliche verantwortlich zu machen, was Mißbehagen erregen kann, ist bei ihnen Grundsatz. Nach Liebermann haben sie die Agitation gegen das Gesetz geleitet, das doch ohnehin so mißliebig war, daß niemand ihm seinen Namen geben wollte und man es nach einem Verbrecher nannte. Von dem antisemitischen Abgeordneten Dr. Vielhaben wurden im Reichstage die Juden für den Widerstand gegen das in den weitesten Volkskreisen als bedenklich erachtete Fleischbeschaugesetz verantwortlich gemacht. Daß die Flottenvorlage nur den Juden zu gute kommt, ist eine Behauptung, welche sich nicht nur in der antisemitischen Magdeburger „Sachsenschau" und der „Westfälischen Reform" findet, sondern auch von der „Deutschen Wacht" durch boshafte Hinweise auf Flottenvorträge der ehemaligen Juden Levy von Halle und Dr. Scharlach bekräftigt wird. Aehnlich verhält es sich mit der Waarenhausst e u e r. Die offiziöse Erklärung der „Berl. Korrespondenz" und der „Berliner Neuesten Nachrichten", daß die auf eine Erdrosielung der Waarenhäuser hinauslaufenden Beschlüsie der Kommission deS preußischen Abgeordnetenhauses der Staatsregierung als völlig unannehmbar gelten, veranlaßte das Dresdner Antisemitenorgan zu der Aeußerung: „Die mannigfachen Judenproteste scheinen gewirkt zu haben. Ja, wenn es sich um diese lieben Staatsbürger handelt, ist der geldbedürftige Staat immer wieder bei der Hand. Die Deckungsform für die Flottenvermehrung im Reiche, wie sie von der Regierung gedacht war, sollte ja auch die Dienste der „daitschen" Judenschaft in Anspruch nehmen." In einer am 15. März in Potsdam zur Bekämpfung deS Fleischbeschaugesetzes abgehaltenenVersammlung ließ sich der antisemitische Abg. Müller-Waldeck zu heftigen Ausfallen gegen die Juden und den „verjudeten Freisinn" verleiten; er wurde aber von dem ReichStgsabg. Rösicke-Dejsau gründlich abgefertigt. Derselbe erklärte unter lebhaftem Beifall: „Da Herr Müller hier seinm Antisemitismus nicht unterdrücken konnte, muß ich ihm sagen, daß der häßlichste Haß der Rassenhaß ist! Jawohl, Herr Müller! Ich bin ebenso gut Germane wie Sie! Aber schämen würde ich mich, Herr Müller, schämen, wenn

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