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Im deutschen Reich · 1900-04-01 · Heft 4 (April 1900) · p. 198

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 4 (April 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-04-01
Page
198 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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198 3m deutschen Reich. Uch jenen „Fortschritt Ln absteigender Linie" darstellen, welcher in dem greisen Kanzler den Glauben an den Fortschritt der Menschheit erschütterte. Die katholische „Köln. Dolkszeitung" schreibt deshalb: „Zwei Leitartikel über den Trinkspruch des Fürsten, die in ergötzlicher Weise einander widersprechen, finden wir im „Berliner Börsencourier" und der „Staatsbürger-Zeitung." Das erstere Blatt bezeichnet als die Egoisten, deren Politik an die „Vorgänge im Thierreich" erinnert, die Agrarier, und das letztere die Juden. Unter dieser Voraussetzung geben sie beide dem Reichskanzler recht. Jetzt fragt sich nur, was Fürst Hohenlohe gemeint hat; wir glauben allerdings, daß die „Staatsbürger-Zeitung" sich täuscht. Hierbei dürste wiederum die „Köln. Volkszeitung" sich irren, denn was Fürst Hohenlohe gemeint hat, ist ebenso fraglos wie die Thatsache, daß die „Staatsbürger-Zeitung" über die Bedeutung der Kanzlerworte nicht s i ch täuscht, sondern andere gern täuschen möchte. Ihr mußte ja daran liegen, daß niemand durch den Trinkspruch des Kanzlers etwa zu der Annahme veranlaßt werde, daß auch das Treiben ihres Gesinnungsgenossen Stöcker an die angedeuteten „Vorgänge in der Thierwelt" erinnere. Hat doch der ehemalige Hofprediger kürzlich in einer von ihm in Berlin einberufenen Volksversammlung nicht nur die Unterzeichner der Protestkundgebung gegen die „Lex Heinze" mit den Mädchenverkäufern identifiziert, sondern auch in einem unqualisizierbaren Ausfall gegen den Prosesior Häckel in Jena seine eigene Stellung zur Wissenschaft in dem Sinne gekennzeichnet, welchen Fürst Hohenlohe sicher als einen rückschrittlichen bezeichnen wollte. Stöcker sagte, nach dem Bericht seiner Zeitschrift „Volk", von dem berühmten Verfasser des Werks „Die Welträthsel": „Professor Loofs in Halle ist ihm entgegengetreten und hat ihn auf dem faulen Pferde ergriffen. Er hat ihm gesagt, er müsie sich schämen, daß er mit gemeinen jüdischen Lästerern in ein Horn stößt. Und dieser Professor Häckel steht hier unter den Unterzeichnern der Erklärung! Glauben Sie, daß der Mann eine Autorität ist? Er ist noch nicht einmal eine Autorität für einen Schusterjungen! Das ist aber so eine Probe von der religiösen Freigeisterei, die unseren Volksgeist beherrschen will. Die liberale Presse wird das natürlich todtschweigen." Dazu bemerkt die „Posener Zeitung": „Herr Stöcker irrt. Die liberale Presse hat alle Veranlassung, solche Rohheiten, „die, ohne unzüchtig zu sein, daS Schamgefühl gröblich verletzen", nicht todtzuschweigen, sondern an den Pranger zu stellen." Auch in Dresden hat der ehemalige Hofprediger in einer von dem „Verein zur Hebung der Sittlichkeit" veranstalteten Versammlung

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