Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 197 (sequence 1)
- Language
- German
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197 Umschau. den „Berliner Neuesten Nachrichten" wurde kürzlich berichtet, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe bei dem zu Ehren der Akademie der Wissenschaften veranstalteten Festmahl einen Trinkspruch „auf die Wissenschaft und ihre Vertreter" ausgebracht und dabei gesagt habe: „Diese ansehnliche Vereinigung hat für mich eine besondere Bedeutung. Meine Herren! Ich bin alt geworden in dem Glauben an den Fortschritt d e r M e n s ch h e i t, an den auf steigenden Fortschritt. Nun gestehe ich, daß mein Glaube in den letzten Jahren etwas erschüttert worden ist. Der naturnothwendige Kampf um's Dasein hat in neuerer Zeit eine Richtung, eine Form angenommen, die anVorgänge in derThierwelt erinnert und die einen Fortschritt in absteigender Linie befürchten läßt. Da ist es denn wohlthuend, zahlreiche hervorragende Vertreter der Wissenschaft, die Herren der Geistesarbeit hier versammelt zu sehen und daraus die tröstende Ueberzeugung zu schöpfen, daß noch genügend geistige Kraft und Macht vorhanden ist, um die drohende F l u t h der materiellen Interessen auf ihr richtiges Maaß zurückzudämmen. Möge Ihnen die Lösung dieser Aufgabe auch ferner gelingen." Offenbar enthalten diese treffenden Worte des vielerfahrenen greisen Staatsmannes die entschiedenste Verurtheilung jener Dunkelmänner, welche die Wissenschaft „zum Umkehren" zwingen möchten, und eine gradezu vernichtende Kritik des „Krebsganges", zu welchem die Verehrer mittelalterlicher Zustände und insbesondere die Agrarier den Staat bringen würden, wenn die Leiter desselben außer Stande wären, „die drohende Fluth der materiellen Interessen zurückzudämmen". Es war der „Staatsbürger-Zeitung" Vorbehalten, diesen unmöglich mißzuverstehenden Sätzen einen Sinn beizulegen, der die Sache in das Gegenthei! verkehrte. Ihrer kühnen Interpretation nach sollten sich die Worte des Kanzlers gegen die Manchester-Politik und die „beutegierigen Juden" richten, keineswegs aber gegen die wegen ihrer beispiellosen Uneigennützigkeit und Opferwilligkeit bekannten Agrarier oder gar gegen die ihnen dm Steigbügel haltendm Antisemitm, obgleich diese mit dem Kulturrückschritt, dm sie durch die Aufhebung der Judeneman zipation anstreben, so recht eigent-