Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Unser Verhalten gegen den Antisemitismus in politischer, sittlicher und gesellschaftlicher Beziehung
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 186 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316668-2325772--06607-2325843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
186 3m deutschen Reich. bürgern aus, so muß er sich in gleicher Weise auch in Reinheit der Sitten und Lauterkeit des Lebenswandels vor ihnen auszeichnen. Kein Hauch darf den blanken Schild Israels trüben, kein Makel an ihm hasten. Das wird die beste Widerlegung der feindlichen Angriffe, die beste Waffe im Kampfe gegen den Antisemitismus sein. Sie zu schmieden, liegt in unserer Hand. Das Feuer, in dem die Läuterung geschehen soll, ist vorhanden; es ist unsere Religion mit ihren idealen Lehren der Sittlichkeit und Rechtschaffenheit. Aber das Eisen, aus dem die Waffe bereitet werden soll, ist noch nicht ganz von Schlacken befreit; es harrt noch der Glättung und Schärfung. Strenge Selbstprüfung und Selbstzucht wird uns dem Ziele der Läuterung näher bringen. Wenn der Geist strengster Rechtlichkeit, die Scheu vor jedem unlauterem Beginnen alle Kreise unserer jüdischen Bevölkerung ergriffen haben wird, dann wird das blanke Schwert fröhlich durch die Lüfte schwirren, dann wird der Antisemitismus besiegt am Boden liegen! III. Gestatten Sie mir noch die Kritik zu berühren, welche unsere Gegner, nicht blos antisemitische Hetzredner und Preßpiraten, sondern zum Theil auch wiffenschastlich hervorragende Männer, wie Eduard v. Hartmann, Henne am Rhyn, Heinrich v. Treitschke, Paulsen und andere an den Charakter-Eigenschaften der Juden geübt haben, Kritiken, die gerade, weil sie aus wissenschaftlichen Kreisen kommen, Aufsehen erregt haben und der Widerlegung bedürfen. Roch immer fehlt es, so wird gesagt, den meisten Juden an wahrem Stolze und wahrer Bescheidenheit, an prunkloser Würde und eitelkeitsfreier Selbstschätzung, Noch immer sieht man Wegwersung und Kriecherei gegm Höhergestellte mit mißachtender lieber- Hebung gegen Tieferstehende, Speichelleckerei gegen den zu Ueberredenden und Frechheit gegm den Geprellten sich paaren. Roch immer vermißt man jenes Ehrgefühl, welches andere Berufsarten von etwa gleichem sozialen Niveau bereits besitzen. Noch immer beherrscht das gewerbliche Spekulantenthum oder gar der Krämer- Sinn einen großen Theil auch der Juden, die sich wiffenschastlichm und künstlerischm Berufsarten gewidmet haben. Dazu tritt in neuerer Zeit eine übertriebene krankhafte Empfindlichkeit, eine scheue Absonderung vor AnderSgläubigm, der ausschließliche Umgang mtt