Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Unser Verhalten gegen den Antisemitismus in politischer, sittlicher und gesellschaftlicher Beziehung
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 184 (sequence 8)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 18 t ergeben, als bei den Christen. Das ist aber keineswegs der Fall. Aus der von Jahr zu Jahr durch das deutsche Statistische Amt veröffentlichten Kriminal-Statistik, in der auch die Religion der Gesetzes- Uebertreter angegeben ist, ergiebt sich folgendes: Die Gesammtzahl der Verbrechen und Vergehen betrug im Deutschen Reiche im letzten Berichtsjahre 447 312, die Zahl der jüdischen Gesetzes- Uebertreter 4556. Die jüdische Bevölkerung macht ca. 1,1 der Gesammtbevölkerung des Deutschen Reiches aus. Unter der christ» lichen Bevölkemng kommt also auf ca. 114, unter der jüdischen Bevölkerung erst auf ca. 121 Seelen ein Verbrecher. Mit anderen Worten: Wir bleiben um ca. 6 % hinter der Kriminalistik unserer christlichen Mitbürger zurück. Kann nun das Gesammtbild der Statistik zur Stützung des Vorwurfs der größeren Unmoralität nicht dienen, so Müssen Einzelheiten herhalten. Seht Euch, so wird gesagt, den ungleich größeren Antheil an, den Juden an der Bestrafung wegen betrügerischen und einfachen Bankrotts haben! Auch die Statistik hat eine wächserne Nase. „Mit Zahlen läßt sich trefflich streiten und kunstvoll ein System bereiten." Aber die Zahlen wollen verstanden sein. Bankrott ist ein Vergehen, das feiner Natur nach hauptsächlich in gewerblichen Kreisen vorkommt. Am gewerblichen Leben ist aber der Jude in weit höherem Maße chetheiligt, als es dem Prozentsatz der Bevölkerung entspricht. Will man den prozentualen Antheil der Juden am Bankrott richtig feststellen, so muß man zunächst feststellen, mit welchem prozentualen Antheil die Juden am Erwerbsleben betheiligt sind. Und wenn sich dann ergeben sollte, daß die Juden in höherem Maße, als ihrer Betheiligung an Handel und Industrie entspricht, an der Kriminalistik des Bankrotts betheiligt sind, dann, aber auch nur dann, wäre der Vorwurf begründet. Leider schweigt hierüber die amtliche Statistik. Trotz des für un» nicht ungünstigen Ergebnisses der Statistik halten unsere Widersacher die Behauptung, daß die Juden die von ihnen erzielten materiellen Erfolge unlauteren und verwerflichen Mitteln zu verdanken haben, mit der Argumentation aufrecht, daß die Juden vermöge ihrer angeborenen Schlauheit sich leichter den Maschen des Gesetzes zu entziehen wissen, auch bei ihrer größeren Wohlhabenheit sich leichter des Beistands tüchtiger, wie unsere Gegner sagen, „gerissener", Vertheidiger versichern können, welche oft dem Gesetz ein Schnippchen schlagen. Ich