Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Unser Verhalten gegen den Antisemitismus in politischer, sittlicher und gesellschaftlicher Beziehung
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 182 (sequence 6)
- Language
- German
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182 3m deutschen Reich. ist, gemeinsame Sache mit den rückläufigen Parteien macht, welche die uns schützenden Verfassungs-Bestimmungen ganz beseitigen möchten, jedenfalls aber bemüht sind, ihre Anwendung im öffentlichen Leben so zu gestalten, daß uns unser gesetzliches Recht verkümmert wird. Mit noch regerem Eifer als bisher werden wir uns bemühen müssen, durch Wort und Schrift, in Versammlungen und Parlamenten dem liberalen Gedanken der Gleichberechtigung aller Konfessionen zum Siege zu verhelfen. Wir werden unser Augenmerk darauf zu richten haben, daß in die Parlamente Männer geschickt werden, die sich nicht scheuen, öfter als dies bisher geschehen ist, darauf hinzuweisen, daß durch die gmudsätzliche Ausschließung der Juden von einer Reihe von Aemtern und Stellungen Recht, Gesetz und Verfassung gebrochen werden. Gestatten Sie mir, bei dieser Gelegenheit die Gründe zu erörtern, aus denen der Philosoph Eduard v. Hartmann in in seiner Schrift „Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft" die nicht vollständige staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden mit der christlichen Bevölkerung für gerechtfertigt erklärt. Er beschuldigt die Juden des Strebens nach der Weltherrschaft und tadelt ihr internationales Solidaritäts-Gefühl. Eine Folge dieses Solidaritäts- Gefühls fei es, daß der Jude zwar ein Heimathsgcfühl habe, das er aus der Scholle schöpft, die ihn nährt, aber kein Nationalgefühl, welches die nationalen Kultur-Ideale als höchste geistige Güter mit Liebe und Enthusiasmus umfaßt. Einer Vcrtheidigung gegenüber dem Vorwurf nach dem Streben der Weltherrschaft bedarf es in diesem Kreise sicher nicht. Wir wissen, daß ein solches Bestreben bei den Juden niemals bestanden hat, und auch aus dem Glauben an den kommenden Messias und die Aufrichtung des Gottes- und Friedensreiches — ein Glaube, der auf rein religiöser Grundlage ruht — keineswegs zu entnehmen ist. Was aber das Solidaritäts-Gefühl anlangt, so besteht ein solches allerdings, mitunter auch ein solches, welches über die Landesgrenze hinausgeht. Es beruht einestheils auf dem Bande der Glaubensgemeinschaft, das dem Bande ähnlich ist, welches die Bekenner des Protestantismus durch die Gustav Adolf-Vereine zufammenhält und weit lockerer ist, als dasjenige, welches alle Katholiken des Erdballs durch da» Papstthum umfaßt. Anderntheils äußert es sich in Werken der Mildthätigkeit gegenüber ein»