Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 4 (April 1900)
- Article
- Unser Verhalten gegen den Antisemitismus in politischer, sittlicher und gesellschaftlicher Beziehung
- Date
- 1900-04-01
- Page
- 181 (sequence 5)
- Language
- German
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Unser Verhalten gegen den Antisemitismus rc. 181 Neligionslehrern auch nur ein jüdischer Lehrer oder Lehrerin angestellt, wiewohl diese Schulen von Tausenden von jüdischen Kindern besucht werden. Ein beschämendes Zeichen der Zeit, welches unseren Stadtvätern Anlaß geben sollte, den Versuch zu machen, hierin Wandel zu schaffen! Und wie wird in Berlin mit den 47 jüdischen Lehrerinnen umgesprungen, die zum Theil schon seit länger als 10 Jahren Klassenlehrerinnen sind, und denen seitens der Vorgesetzten Dienstbehörde, der städtischen Schul- Deputation, das ehrende Zeugniß ausgestellt wird, daß sie mit sittlichem Ernst, mit hingebender Berufstreue und vorzüglichem Erfolge ihres Amtes bisher gewaltet haben! Thut nichts, sie werden aus ihren Stellungen entfernt oder doch in ihrer Wirksamkeit wesentlich eingeschränkt. Auch die Universitäten, deren Pforten bisher jeder hervorragenden wiffenschastlichen Leistung für die Lehrthätigkeit geöffnet waren, drohen sich uns zu verschließen. Den jungen Gelehrten, welche sich als Dozenten habilitieren wollen, werden unter den nichtigsten Vorwänden Hindernisse in den Weg gelegt. Den jungen Aerzten werden die Assistenten- Stellen an den Universitäts-Kliniken immer schwerer zugänglich und hiermit ihnen die Möglichkeit entzogen, sich in zweckmäßiger Weise für den Universitäts-Lehrberuf vorzubereiten. Allerorten rühren sich die Dunkelmänner, um unsere verfassungsmäßigen Rechte zu schmälern, uns im Erwerbsleben, in unserer gesellschaftlichen Stellung, unserem Antheil am Kulturleben der Nation zurückzudrängen. Wie haben wir uns gegenüber diesen Bestrebungen zu verhalten? Wir sind nur eine kleine Minderheit inmitten der christlichen Bevölkerung. Die Machtmittel, durch welche sich die katholische Centrums-Partei eine ausschlaggebende Stellung im politischen Leben verschafft hat, stehen uns nicht zu Gebote. Wir haben es auch nicht nöthig, eine jüdische Centrums-Partei zu schaffen. Denn die Prinzipien, auf Grund deren wir die Wahrung unserer verfassungsmäßigen Rechte verfolgen, sind die allgemeinen Prinzipien der Humanität und Gerechtigkeit, dieselben Prinzipien der politischen und philosophischen Aufklärung, denen die liberalen Parteien ihre Entstehung und ihre Daseinsberechtigung verdanken. Ich betrachte es deshalb als selbstverständlich, daß unter den heutigen Zeitläuften kein Jude, dem e« mit der Wahrung unserer politischen Rechte ernst