Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 162 (sequence 3)
- Language
- German
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162 deutschen Reich. Mitgliedes und eine daranschließende Diskussion das Interesse für die Zwecke und Ziele des Vereins heben solle. Hoffentlich werde diese Versammlung jeden einzelnen Theilnehmer für die gute Sache begeistern und ihn veranlassen, neue Anhänger zu werben, weil die Autorität des Vorstandes durch die größere Zahl der Vereinsmitglieder wachse. Man brauche sich nur an die Dreyfus- und Polna- Affären zu erinnern und, damit auch die heitere Seite nicht fehle, an den Grafen Pückler auf Klein-Tschirne, um davon überzeugt zu sein, daß es jetzt mehr als je Noth thut, gegen den Antisemitismus Stellung zu nehmen. Diesen Zweck soll der angekündigte Vortrag: „Unser Verhalten gegenüber dem Antisemitismus in politischer, sittlicher und gesellschaftlicher Beziehung" fördern. Von allgemeinem Beifall empfangen, schilderte nun Herr Landgerichtsrath Wollst e i n in etwa einstündigem formvollendeten, vorzüglich gegliederten Vorträge die durch den Antisemitismus geschaffenen Zustände in vorgenannten drei Beziehungen. Der Redner verwies insbesondere darauf, daß trotz der preußischen Verfaffungs-Paragraphen 4 und 12 und deren Ergänzung durch die Norddeutsche Bundes-Derfaffung von 1869, beschworen von vier Königen, und trotz der durch diese Gesetze garantierten Befähigung für Staatsämter ohne Unterschied der Konfession seit Jahren unter 500 000 deutschen Juden kein einziger zum aktiven Ossizier, zum höheren Richter oder zu einem Verwaltungsamt fähig befunden wurde. An die Darstellung der jetzigen Zustände knüpfte der Redner die Empfehlung derjenigen Mittel an, mit welchen deren allmähliche Besserung zu erhoffen wäre. Als solche bezeichnet« er im Wesentlichen das Erstreben aller menschlichen Tugenden und eine tadellose Lebensführung, ganz besonders aber für die Repräsentanten solcher Errungenschaften ein würdevolles Selbstvertrauen und festes Auftreten dem Antisemitismus gegenüber. Der Redner gebrauchte dabei unter anderem die schönen Worte, man solle das im Feuer der Religion geschmiedete schlackenfreie, eherne Schwert kräftig schwingen. Dem Vorträge folgte eine DankeSerklärung des Vorsitzenden und ein außerordentlicher, schließlich durch Erheben von den Plätzen bekundeter Beifall der Versammlung. Demnächst lud Herr D. N. Schlesinger diejenigen Herren, welche dem Vereine noch nicht angehören, zum Beitritt ein, welcher Aufforderung alsbald von vielen Anwesenden Folge geleistet wurde. Zu der nun eröffneten Diskussion meldete sich Herr Kaufmann H i r s ch f e l d; welcher in lebhafter Weise eine Erziehung der jüdischen Jugend empfahl, welche dieselbe mit den Liefen Schätzen der jüdischen Ge-