Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 148 (sequence 3)
- Language
- German
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148 Im deutschen Reich. Presse" macht auf die in dem Werk enthaltenen bedeutsamen Angaben aufmerksam, welche den Antheil der Juden an Verbrechen betreffen: Es wurden darnach im Jahre 1897 bestraft wegen Verbrechen und Vergehen gegen Staat und öffentliche Ordnung 245 Juden, wegen Verbrechen und Vergehen gegen die Person 199, wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen 275, also im Ganzen 719 jüdische Personen; das giebt nur einen Prozentsatz von 3x/2, während der Antheil der Juden an der Bevölkerung Berlins 5 Prozent beträgt! Und an welchen Strafthaten sind die Juden am häufigsten betheiligt? Wegen Vergehens gegen die Sonntagsruhe wurden 126 Juden bestraft, wegen Beleidigung 94 Juden, also in beiden Fällen nur wegen leichter Vergehen. Unter 1007 Personen, die sich deS Betruges schuldig machten, waren nur 19 Juden, also etwa 2 Prozent; unter 1884 wegen Unterschlagung bestraften Personen 59 Juden oder 3 Prozent. Dabei behaupten unsere Gegner, daß gerade diese beiden Delikte besonders oft von den Juden begangen werden. Aehnlich verhalt es sich bei der Hehlerei, wo unter 384 bestraften Personen nur 9 Juden sind und bei der Kuppelei, wo unter 399 Bestraften nur 12 Juden sich befinden. Bemerkenswerth ist ferner, daß in dm Jahren 1895—1897 kein einziger Zuchthausgefangener jüdischen Glaubens nach Moabit kam, kein einziger sich eines schweren Verbrechens schuldig machte! Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund eröffnet am 1. April d. I. einen Kursus zur musikalischen Fortbildung jüdischer Kantoren. Dieser Kursus, welcher jedem staatlich geprüften Lehrer unentgeltlich offen steht, wird unter der Leitung der Herren Musikdirektor William Wolf und Kantor A. Friedmann während der Monate April, Mai und Juni stattfinden. Reflektanten wollen sich an das Bureau deS Deutsch- JSraelitischen Gemeindebundes, Berlin W., Sigismundstr. 5, wenden, das ihnen auch die Zeit und den Ort der Vorträge mittheilen wird» Vor kurzer Zeit starb in Berlin ein altes treues Mitglied unseres Vereins, Herr Dr. Emanuel Wreschner. Als Sohn eines jüdischen Privatgelehrtm in einem kleinen Städtchen der Provinz Posen geboren, arbeitete er sich aus eigener Kraft zu einer allseitig geachteten Stellung empor. Schon von Kindheit an widmete er sich dem Studium der hebräischen Wissenschaften und bildete sich unter der Leitung berühmter jüdischer Gelehrter in der Fremde weiter aus. Ohne Beihülfe der Seinigen, allein auf sich angewiesen, überwand er mit eisernem Fleiß und größter Energie alle Schwierigkeiten, so daß es ihm möglich wurde.