Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Berlin
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 147 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 147 der Sozialdemokrat Glocke in das Stadtverordneten- Kollegium gewählt. Ein AnLisemitenblatt bemerkt hierzu: „Der Gegenkandidat Wolff hatte geglaubt, als „Nicht-Antisemit" sich bekennen zu müffen. Die Folge davon war, daß er mit 1534 gegen 1561 Stimmen unterlag". — Hoffentlich ist diese Annahme, die wir für eine durchaus irrige halten, in den Kreisen der Judengegner recht verbreitet, denn dann werden die widerlichen Versuche aufhören, antisemitische Kandidaten unter der falschen Flagge der „Parteilosigkeit" in das Rothe Haus zu schmuggeln. Die „Börsen-Zeitung" berichtete, daß der frühere Minister des Innern und jetzige Oberpräsident von Westfalen, Freiherr v. d. Recke, umfaffende Ausweisungen galizischer Arbeiter und Angestellter von Fabriken vorgenommen habe. Die „Kreuz-Zeitung" bestätigt dies, indem sie berichtet, daß aus dem Dortmunder Bezirke etwa 200 Personen ausgewiesen worden seien, weil auS Galizien eingewanderte Juden in Dortmund Centralstellen für Hausierhandel und Abzahlungsgeschäfte errichtet und eine ganze Anzahl junger Juden aus Galizien nachgezogen hätten, welche sie damit beauftragten, Uhren, Spiegel, Bilder u. s. w. im Hausierhandel und auf Abschlagszahlung zu vertreiben. Die „Kreuz-Zeitung" fügt hinzu, daß auch die freisinnige und jüdenfreundliche ungarische Regierung eS bereits früher als nothwendig erachtete, die Einwanderung galizischer Juden im Verwaltungswege zu beschränken und im Begriff stehe, dies durch ein besonderes Gesetz den Behörden zur Pflicht zu machen. Unter solchen Umständen könne man es der preußischen Regierung nicht verübeln, wenn sie Zuwanderer ausweise, die selbst in Ungarn unfreundlich behandelt werden. — Zunächst wird aber doch wohl ermittelt werden müffen, ob die aus dem Dortmunder Bezirke Ausgewiesenen fleißige Arbeiter und Angestellte von Fabriken, oder solche schädlichen Elemente sind, deren sich selbst die ungarische Regierung erwehren zu müffen glaubt. Wenn Zwei das Gleiche Lhun, ist eS nicht immer dasselbe! DaS kürzlich erschienene „Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin für 1897" ist 'Herrn SanitäLS-Rath Dr. S. Neumann gewidmet, welcher im Jahre 1859, als er Stadtverordneter wurde, sofort daran ging, neue Grundsätze für die Berliner Volkszählungen zu schaffen. Er begründete die Aemter der Revierdeputierten, Distriktskommiffare und schuf die Zählungslisten, welche die Grundlage der staatlichen statistischen Tabellen bildeten. Der Chef des Berliner statistischen Amts, Geheimrach Bökh, hat deshalb das vorliegende Gelbbuch, unter ausführlicher Würdigung aller Verdienste seines langjährigen Mitarbeiters, diesem zum 80. Geburtstage gewidmet. — Die „Jüd. U•