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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 145

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-03-01
Page
145 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 145 Sokol, welcher die „Antwort" im Baxa'schen Organe „Radicalni Listy" veröffentlichte, wegen Verbreitung einer konfiszierten Druckschrift zu zehn Tagen Arrest verurtheilt. Der eigentliche Schuldige, Dr. Baxa, aber blieb zunächst straffrei, weil er als Abgeordneter durch den Zusammentritt des böhmischen Landtages nicht zu fassen war. Das find Fälle, die nicht vereinzelt dastehen, sondern beinahe typisch erscheinen, vielfach aber auch darauf zurückgeführt werden, daß fich die österreichischen Juden zu spät auf die Pflicht der Abwehr besonnen haben, so daß auch in Wien die leitenden Kreise fich wie in Darmstadt der Justizminister auf „einen Z u st a n d" berufen können, über den sich di-zunächst Betroffenen nicht beklagt hätten!" Don diesem Vorwurf find auch die Juden in Frankreich nicht freizusprechen, und dieses zaghafte Zögern macht es erklärlich, daß die dortigen Antisemiten die Lust anwandelt, eine zweite Dreyfus- Affaire in Szene zu setzen. Dazu bietet die angebliche Entlarvung eines Spions im franzöfischen Marineministerium dadurch Gelegenheit, daß der beschuldigte stellvertretende Bureauchef Philippe den Taufnamen Jude (Judas) trägt. Derselbe soll an den britischen Botschafter in Paris geschrieben und ihm gegen eine Entschädigung von 25 000 Fr. Informationen über die letzten Maßnahmen derBuren in Europa angeboren haben. Der durch zweifelhafte Industrie-Unternehmungen ruinierte Beamte gab dabei an, daß sowohl seine Stellung im Ministerium, wie seine Beziehungen zu Dr. Leyds ihn in den Stand setzten, dem „War Office" werthvolle Informationen zu senden. Gegen den zweiten Theil dieser Behauptung protestierte Dr. Leyds, welcher erklärte, den Mann überhaupt nicht zu kennen. Auch die englische Botschaft ließ durch die „Agence HavaS" verbreiten, daß sie keinerlei Beziehungen zu irgend einem Beamten des Marineministeriums unterhalten habe. Der frühere Marineminister Lockroy wehrt sich in einer Zuschrift an den „Matin" gegen die Behauptung, daß Philippe sein Schützling gewesen sei, vielmehr sei dessen Ernennung zum Bureauchef erst unter seinem Nachfolger Laneffan erfolgt. Gegen den angeblichen Verräther ziehen die antisemitischen Pariser Blätter sanftere Saiten auf, seitdem die „Agence National" dargelegt hat, daß Philippe kein Jude, sondern ein waschechter Antisemit sei, und daß der Leibarzt des Papstes eine seiner Erfindungen (antiseptische Wäscherei) erprobt und ihm dafür von dem heiligen Vater eine silberne Medaille habe verleihen lassen» Daß die britische Botschaft erüärte, sie habe niemals ein Anerbieten von Phllippe erhalten, soll ganz richtig sein, da der Brief, in welchem er sich 25 000 Franken für seine Mittheilungen ausbedang, 11

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