Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 146 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316663-2316667--06509-2325713- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 Im deutschen Reich. im „schwarzen Kabinet" oder anderswo aufgefangen wurde. Seitdem die Antisemiten wissen, daß der „JuduS" kein Jude ist, macht ihnen die ganze Sache kein Vergnügen mehr, und sie geben sich Mühe, diese Sache zu vertuschen und etwas Anderes zu erfinden. Entdecken können sie nichts, nur erdichten, denn Gottlob muß man di« Judasse anderswo suchen, als unter den Juden! A. L. Korrespondenzen. 0 Berlin- 15. März. Das Provinzial-Schulkoll e g i u m hat am 3. d. M. dem Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde auf dessen Beschwerde über die S ch u l v o r st e h e r i n D ö r st l i n g , welche Kinder jüdischer Ellern nur unter der Bedingung aufnehmen will, daß sie an dem christlichen ReligionLuntericht Lheilnehmen, nachstehenden ergänzenden Bescheid ertheilt: „In Verfolg unseres Schreibens vom 4. Dezember v. I. theilen wir dem Vorstand im Aufträge des Herrn Ministers der geistlichen pp. Angelegenheiten mit, wie wir die S ch u l- Vorsteherin Fräulein Dörstling noch formell dahin angewiesen haben, daß sie den nichtevangelischen Schülerinnen ihrer Anstalt die Theilnahme an den Schulandachten, sowie an dem evangelischen Religionsunterrichte nur dann gestatten darf, wenn die Eltern oder Vormünder dieselbe ausdrücklich verlangen, und daß sie sich, jeder Einwirkung nach der einen oder der andern Richtung sorgfältig zu enthalten hat". — Zu dieser Nachricht bemerkte die „Staatsbürger- Zeitung" höhnisch: „Also wieder ein Zurückweichen vor dem Judenthum." Die „Post" fügte der Meldung die Worte hinzu: „Wir haben bei der Entstehung dieser Frage s. Zt. bereits ausgeführt, daß die Anordnung der betr. Schulvorsteherin nicht zu billigen sei, daß man jüdische Kinder nicht zu christlicher Religionsübung zwingen, sondern lieber ihre Aufnahme in christlich fundierte Schulen überhaupt ablehnen möge." Beide Blätter verstehen offenbar den Sinn des ministeriellen Reskripts nicht — oder sie wollen ihn nicht verstehen! In der Stichwahl, welche sich im 44. Berliner Kommunal- Wahlbezirke nöthig machte, wurde am 9. März nach heißem Kampfe