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Im deutschen Reich · 1900-03-01 · Heft 3 (März 1900) · p. 143

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
6 (1900)
Issue
Heft 3 (März 1900)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1900-03-01
Page
143 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 143 des Hamburger Parteitages gesetzt. Nachdem Liebermann so den unliebsamen Kritikus von seinen Rockschößen abgeschüttelt hatte, erntete erdafür ein Lob der „Deutschen Tages-Zeiwng", des agrarischen Organs, welches sich für berufen hält, in Zukunft die „Staatsbürger-Zeitung" und den „Deutschen General-Anzeiger" zu ersetzen. Wie die „Germania" sehr richtig voraussagt, wird gerade die Erörterung der Deckungsfrage in der neuen Flottenvorlage dazu dienen, den deutschen Mittelstand darüber aufzuklären, daß die sogenannte „Mittelstandspoliük" die Antisemiten im „Bunde der Landwirthe" und in der „deutschsozialen Reformpartei" nicht an dem Versuch hindert, die Vorlage zu Falle zu bringen, wenn sich nicht alle Lasten den breitesten Schichten der Bevölkerung zuwälzen lasten. Schon jetzt äußert sich deshalb die „Deutsche TageS-Zeitung" in tiefstem Grimm über einen Vortrag des flottenfreundlichen Leipziger Professors S o h m, welcher behauptete, das deutsche Volk müsse „seine Existenz auf das mobile Kapital der Weltwirthschaft gründen". Der Ton, in welchem die judenfeindliche Presse diese national-soziale Erörterung bespricht, läßt darauf schließen, daß die antisemitischen Agrarier zur entschiedensten Opposition entschlossen sind. Ihnen gelten alle ihnen bisher gemachten Zugeständnisse nichts; die von dem hessischen Justizminister mit den Antisemiten gemachten Erfahrungen bleiben keiner Verwaltung erspart: wer diesen Politikern den Finger reicht, von dem fordern sie die ganze Hand, oder sie beschuldigen ihn — der Judenfurcht! Die Verhältnisse, welche in Oesterreich und Frankreich durch die Rücksichten auf antisemitische Strömungen geschaffen worden sind, dürften anderen Staaten als warnendes Beispiel dienen, denn die anarchistischen Gepflogenheiten der Antisemiten wirken so nachhaltig verrohend, daß die Machthaber dieser geistigen Influenza schließlich rathlos gegenüber stehen. Im böhmischen Landtage hielt der aus dem Kuttenberger Prozeß bekannte antisemitische Vertreterder Familie Hruza, Dr. B a x a, kürzlich eine gegen den österreichischen Kaiser derartig aufteizende Rede, daß selbst der deutsche Gesinnungsgenosse BaxaS, Liebermann von Sonnenberg sich veranlaßt sah. in der „Antisemitischen Korrespondenz" am 1. März zu sagen: „Diese hochverräterischen Worte hörte der Präsident, k. k. Oberstlandmarschall Fürst Georg Lobkowitz, ohne irgendwelche Unterbrechung an, er ertheilte weder einen Ordnungsruf, noch hielt er es für angebracht, seinen Kaiser vor den Anwürfen des czechischen Abgeordneten zu schützen." Im niederösterreichischen Landtage scheint der seit dem Vorwiegen der Antisemiten zur Geltung gekommene

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