Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 142 (sequence 7)
- Language
- German
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142 deutschen Reich. spiel in Südafrika von ihrem Parteistandpunkte aus besprechen. Daß sie seit Monaten das tiefe Mitgefühl der weitesten Kreise in Deutschland mit den armen Buren beständig mit der sogenannten „Judenfrage" zu verquicken und für ihre Parteizwecke auszubeuten versucht haben, ist ebenso bekannt, wie ihre beständig noch fortgesetzten Versuche, die auswärtige Politik der Reichsregierung zu verunglimpfen. Die „Staatsbürger-Ztg." schrieb über die Berathung des Etats des Auswärtigen Amts: „Sowohl der Abgeordnete von Liebermann wie auch Dr. Böckel führten eine sehr deutliche Sprache. Graf von Bülow hörte sich die Dinge an, aber er antwortete nicht, und der deutsche Reichstag ließ sich das ruhig gefallen. Aehnlich wie bei der großen Komödie mit der Postdampser-Jnterpellation gingen die großen Parteien anscheinend auf vorherige Verabredung über diese Dinge hinweg, und so kam es, daß der Etat des Auswärtigen Amts, der sonst drei bis vier Tage in Anspruch genommen hat, in einer Sitzung erledigt wurde." Eine Komödie war es allerdings, daß Herr Liebermann von Sonnenberg sich im Reichstage vermaß, den Fürsten Bismarck über die Vorzüge der Politik seines Vaters vor derjenigen des Herrn von Bülow zu belehren. Noch weit höher wagte sich das Dresdener Anüsemitenblatt, welches an eine Besprechung der „aufgezwungenen Freundschaft mit England" die nicht mißverstehende Drohung knüpfte: „Weiter möchten wir doch die Frage nicht unterlassen: Sind die Fürsten des Volkes wegen, oder das Volk nur der Fürsten wegen da? — Man hüte sich in den ober st en Kreisen entgegen der Dolksstimmung zu handeln." Bei solcher Opposition steht der Bund der Landwirthe unverkennbar mit der deutsch-sozialen Reformpartei zusammen, so wenig er sonst mit derselben sympathisiert. Der Abg. Liebermann von Sonnenberg hält den Bund für berufen, den Antisemitismus vollständig zu vertreten und die Erbschaft der absterbenden Reformpartei künftig zu übernehmen. Aus diesem Grunde war es ihm sehr peinlich, daß das parteioffiziöse „Antisemitische Jahrbuch für 1900" heftige Angriffe auf den Bund zum Ausdruck brachte. Der von O. H. Böckler verfaßte Artikel: „Der Bund der Landwirthe bei den Wahlen" enthält nach einer Erklärung Liebermanns eine nackte Verhöhnung der Wünsche deS Hamburger Parteitages, „wonach unter voller Wahrung der Selbständigkeit der Reformpartei ein friedliches Verhältniß mit den verwandten Parteien und Gruppen angebahnt werden solle." Dadurch, daß der Geschäftsführer der Partei, Dr. Giese, der Bitte der Fraktion, dieses Kapitel aus seinem Jahrbuche sortzulassen, keine Folge geleistet, habe sich derselbe in bewußten Widerspruch mit dem Wunsche