Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 141 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 141 „Schlag in's Gesicht" bedeutet. Wenn dieser Gesetzentwurf im Abgeordnetenhause zur Berathung kommt, werden die parlamentarischen Vertreter des Bundes der Landwirthe reden müsien. Sollten die konservativen Bundesabgeordneten bei dieser Gelegenheit das Licht ihrer Mittelstandspolitik nicht leuchten laßen wollen, so wird eS hoffentlich nicht an wirklichen Vertretern einer Mittelstandspolitik fehlen, die den Heuchlern, die mit dem Schlagworte „Mittelstandspolitik" eine geradezu widerliche Agitation treiben, die Heuchlermaske vom Gesicht reißen. Eine zweite Gelegenheit, die Mittelstandspolitik nicht in Worten, sondern in Thaten zu bekräftigen, wird sich den „Mittelstandspolitikern" auf Seiten der Antisemiten und vom Bunde der Landwirthe im Reichstage bei den Erörterungen und Beschlüßen zur Deckungssrage in der neuen Flottenvorlage darbieten." Im Mittelstände selbst werden jetzt mehr und mehr Zweifel darüber laut, ob der Antisemitismus geeignet ist, das H a n d w e r k zu fördern. In der Nr. 7 des in Wiesbaden erscheinenden „Neuen Deutschen Handwerkerblattes" wurde darauf hingewiesen, daß der deutsche Antisemitismus sich so gebärde, als ob das Heil des Handwerkerstandes von ihm abhänge, während diesem doch als warnende Beispiele die österreichischen Handwerker dienen müßten, welche gerade deshalb nicht in ihren Bestrebungen vorwärts kommen, weil sie im Antisemitismus aufgehen. Das Wiesbadener Blatt, welches sich als „Organ des Rheinischen und des Westfälischen Provinzial-Handmerkerbundes, des Landesverbands Hessischer Handwerker, des Handwerker-Verbandes für den Regierungsbezirk Wiesbaden und der vereinigten gewerblichen Korporationen der Stadt Frankfurt a. Main" bezeichnen darf, fügt hinzu: „Die Handwerkerfreundlichkeit des deutschen Antisemitismus ist nicht werth, daß man deshalb einen Finger krumm macht. Christlich ist der deutsche Antisemitismus so wenig wie das Judenthum. Das hat sein letzter Parteitag dargethan." Zweifellos hat die Wahrnehmung von der heidnischen Gesinnung der „WotanSanbeter", welche sich gerade in letzter Zeit in den gehässigsten Ausfallen gegen das auch jedem gläubigen Christen als verehrungswürdig geltende Alte Testament wiederholt kundgegeben hat, schon viele christliche Handwerker über den eigentlichen Charakter ihrer angeblichen Beschützer aufgeklärt. Die Angehörigen des Mittelstandes dürften mit der Zeit auch über die monarchische Gesinnung, mit welcher sich die Führer der Antisemiten bisher brüsteten, größere Klarheit erlangen, da dieselben die MaSke sehr unvorsichtig lüften, wenn sie das Trauer-