Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Geschäftsbericht
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 127 (sequence 15)
- Language
- German
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Geschäftsbericht. 127 Bekannt dürste sein, daß in einzelnen deutschen Staaten auf diesem Gebiete (es muß hierbei neben Sachsen und Hessen das Herzogthum Braunschweig unrühmlich erwähnt werden) und in allen deutschen Ländern auf manchen anderen Gebieten den Juden trotz der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung viele Aemter völlig verschlossen sind. Auch hier wird die Statistik eine keiner Deutelung Raum gebende Klarheit schaffen. In das Gebiet der statistischen Arbeiten gehört eine von uns veranlaßte kürzere, andererseits aber durch neue Angaben ergänzte Bearbeitung der von dem „Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe" herausgegebenen Schrift: „Die Juden als Soldaten". Ueber die Verwendung dieser mit Bewilligung des Komitees hergestellten Arbeit wird demnächst erst Beschluß gefaßt werden. Sie wird von neuem zeigen, wie die Juden von der Anstellung im Heere ausgeschlossen werden, obgleich sie sich in den Zeiten, in denen ein solcher Ausschluß nicht erfolgte, ganz außerordentlich bewährt haben. Durch eine solche Zurückdrängung der Juden auf diesen und andern Gebieten wird unfern Glaubensgenossen die Berufswahl ungebührlich erschwert und es kann nicht Wunder nehmen, daß diejenigen Juden, welche sich eine akademische Bildung aneignen wollen, sich gezwungen sehen, den wenigen Berufen'sich zuzuwenden, welche ihnen offen gelassen sind. So haben sie sich namentlich in größerer Zahl dem ärztlichen Berufe gewidmet, in welchem seit vielen Jahrhunderten und selbst in Zeiten der schwersten Bedrückung der Juden diese sich die lebhafteste Anerkennung zu erwerben gewußt haben. Dadurch hat denn die antisemitische Presse Veranlassung genommen, sich die Zuneigung christlicher Aerzte zu erwerben, indem sie die jüdischen Aerzte bei ihrer Klientel zu verdächtigm und zu verleumden gesucht hat. Wo jemals ein jüdischer Arzt sich vergangen hat, wurde stets hervorgehoben: „Das sind die jüdischen Aerzte! Also ihr christlichen Familien, schützt euch und eure Angehörigen vor solchen ärztlichen Berat Hern!" Solchem Treiben gegenüber ist es erfreulich, daß die Kriminalstatistik in dieser Beziehung für die jüdische« Aerzte überaus ehrenvoll ist. Auch hier find wir mit statistischen Arbeiten beschäftigt. Um gegenüber der Erschwerung der Berufswahl für unsere