Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 6 (1900)
- Issue
- Heft 3 (März 1900)
- Article
- Geschäftsbericht
- Date
- 1900-03-01
- Page
- 122 (sequence 10)
- Language
- German
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122 Im deutschen Reich. Verbreitung der Rede mit Bemerkungen, welche sich weniger gegen die Juden als gegen die gesammte nichtantisemitische „Deutsche Presse" richteten. Die Absicht der Reklame für geschäftliche Zwecke war aber so deutlich erkennbar, daß die Verbreitung dieser Flugblätter eindrucklos blieb. Wir haben uns nicht veranlaßt gesehen, in diesem Falle einzugreifen, schon weil wir nicht gewöhnt sind, Prozesie, die noch nicht erledigt sind, einer Kritik zu unterziehen. Den antisemitischen Geschäftsleuten von der Presse mag man das entgegengesetzte Verhalten verzeihen, denn zu der von uns geübten Zurückhaltung gehört Takt (den Verdacht, solchen zu besitzen, haben jene Leute nicht gerechtfertigt) und ferner mögen sie selbst die Empfindung haben, daß, wenn sie bis zum Schlüsse des Prozeßverfahrens über jenen Mord warteten, ihnen die Gelegenheit, in ihrenl Sinne Bemerkungen zu machen, vielleicht mangeln könnte! Erfolgreich war das Eingreifen des Central-Vereins gegen den Kolporteur Albert Neumann-Fernthal, der, durch die Anrempelungen jüdischer Straßenpaffanten in den allerbelebtesten Straßen der Stadt, von sich reden machte. Ueberaus zahlreich sind die Fälle, in denen gegen ihn verhandelt werden mußte, und seine Bestrafungen zeigen, wie dies bei den häufigen Rückfällen zu erwarten. war, eine fortschreitende Steigerung. Die Geldstrafen, die gegen ihn verhängt und schließlich bis zu 60 Mk. im Einzelfalle gestiegen waren, mochten ihn .nicht hart treffen, da vielleicht Hintermänner sie bezahlten. Neuerdings ist ihm aber Gelegenheit gegeben, in achttägiger Haft fern von der Friedrichstraße darüber nachzudenken, wie er sich nach Wiedererlangung seiner Freiheit zu verhalten haben wird. Auch in diesem Falle ist es wahrscheinlich, daß die Straßen Berlins künftig von Mischen Bürgern werden betreten werden können, ohne daß sie Beschimpfungen auSgesetzt sein werden, da die Leiden der Haft Herrn Neumann von seinen Hintermännern nicht abgenommen werden können. Ein sehr beliebter Unfug zu GeschäftSzwecken war die Verbreitung sogenannter Weihnachts-Flugblätter seitens der Antisemiten mit dem steten Refrain: „Kauft nicht bei Juden!" Wir haben schon früher als wirksames Mittel gegen diesen Boykott die Verbreitung von Gegenstugblättern angewandt, indem wir neben